Nahrungsergänzungsmittel vom Nachbarn angeboten

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Frage

Ich wurde von einem Nachbarn angesprochen, der für die Firma S.W. arbeitet. Da ich vor einigen Jahren an einem Tumor litt, wollte er mir ein Nahrungsergänzungsmittel verkaufen, welches mich angeblich vor zukünftigen Krebserkrankungen schützen soll. Doch nicht nur mir, sondern auch meinen Freunden, Verwandten und anderen Nachbarn bietet er die teuren Präparate an. Auch lädt er zu Treffen und Vorträgen ein, bei denen die Produkte mit vielen gesundheitlichen Wirkungen beworben werden und die Heilung verschiedener Krankheiten versprochen wird. Bei diesen Treffen werden zudem neue Mitglieder geworben, die die Produkte dann ebenfalls verkaufen können. Mich macht das alles skeptisch.

Was halten Sie von dieser Verkaufspraxis und sind die Produkte wirklich empfehlenswert?

Antwort

Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen, dass Nahrungsergänzungsmittel dazu bestimmt sind, die normale Ernährung zu ergänzen. Sie sind nicht dazu bestimmt Krankheiten, wie zum Beispiel Krebs, zu heilen, zu lindern oder vorzubeugen.

Die von Ihnen angesprochene Vertriebsform ist bei Nahrungsergänzungsmitteln kritisch zu bewerten. Es handelt sich dabei um "Multi-Level-Marketing". Potenzielle Kunden sind hierbei gleichzeitig potenzielle neue Verkäufer, die ihrerseits die Produkte des Unternehmens weitervertreiben sollen.

Problematisch ist dabei Folgendes: Die selbständigen Außendienstberater sind – vorrangig aus finanziellem Eigennutz – bemüht, möglichst viele Produkte abzusetzen und neue Mitarbeiter anzuwerben. Unternehmensziel ist somit der Verkauf von Produkten durch ein wachsendes Mitarbeiternetzwerk. Eine Fachausbildung, die fundierte Kenntnisse zum Nährstoffbedarf, zu Risiken bei der Einnahme isolierter Nährstoffe und zum Lebensmittelrecht vermittelt, ist in aller Regel nicht gefragt. Auch die von Ihnen genannte Firma beschreibt auf der deutschen Firmenhomepage nur traumhafte Verdienstmöglichkeiten, aber keinerlei Anforderungen an die Qualifikation der potenziellen Mitarbeiter.

Daraus resultieren weitere kritische Punkte:

Zum einen werden durch diese Personen mitunter unzulässige Werbeaussagen getroffen, z.B. auf ihren Facebook-Seiten. Werbeaussagen und Empfehlungen zur Einnahme, die der selbständige Verkäufer im Verkaufsgespräch mündlich trifft, sind schlecht auf ihren Wahrheitsgehalt und ihre Zulässigkeit durch die zuständigen Behörden überprüfbar. Gerade bei der Vertriebsform des Multi-Level-Marketing wird immer wieder von unzulässigen krankheitsbezogenen Aussagen berichtet wie beispielsweise dem von Ihnen erwähnten Versprechen, Krebs vorzubeugen.

Zum anderen ist zu bezweifeln, dass umsatzorientierte Verkäufer, wenn sie fachlich nicht entsprechend qualifiziert sind, insbesondere vorerkrankte potenzielle Kunden wie Sie fachkundig beraten und die möglichen Risiken der Einnahme isolierter Nährstoffe überblicken.

Zudem enthalten die meisten Nahrungsergänzungsmittel von Direktvertreibern Vitamine / Mineralstoffe bzw. andere Stoffe, die auch über die normale Ernährung (ausreichend) aufgenommen werden können. So wird beispielsweise für ein Produkt mit Fruchtextrakten, Grüntee und zugesetztem Vitamin B6 ordentlich Geld verlangt: Eine Flasche mit dem Inhalt für 24 Tage kostet 39 Euro, andere Produkte schlagen mit knapp 80 Euro pro Monat zu Buche.

Fazit: 

Sie bezahlen viel Geld für Produkte, deren vom Verkäufer suggerierte Wirkung nicht bewiesen ist und die im schlimmsten Fall bei Überdosierungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sogar negative Folgen haben können.

 

Zum Weiterlesen:

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Bitte beachten Sie, dass die Antwort auf diese Verbraucheranfrage den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.

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