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Lutein - Augenschutz oder Augenwischerei?

Stand:

Lutein-haltige Produkte versprechen oft zu viel und können unerwünschte Wirkungen haben.

Das Wichtigste in Kürze:
Erst den Arzt fragen!

  • Es gibt keine Belege dafür, dass Nahrungsergänzungsmittel eine altersabhängige Makuladegeneration (AMD) heilen können.
  • Entsprechende Werbeaussagen sind wissenschaftlich nicht belegt und dürfen für Nahrungsergänzungsmittel nicht verwendet werden.
  • Aufgrund möglicher unerwünschter Wirkungen sollten Sie Lutein-haltige Produkte nicht ohne ärztliche Absprache verwenden.
Auges der alten Damen
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Was steckt hinter der Werbung zu Lutein?

In Zeitschriften und auf Internetseiten wird häufig suggeriert, dass sich die Einnahme von Lutein positiv auf die Augengesundheit auswirkt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hält die Studienlage dazu jedoch nicht für beweiskräftig. Um Lutein weiter als „Augenheilmittel“ verkaufen zu können, tricksen Hersteller deshalb ganz geschickt auf legalem Weg: Sie setzen den Produkten zusätzlich Vitamine und Mineralstoffe oder Omega-3-Fettsäuren (Docosahexaensäuren, DHA) zu. Für diese Stoffe sind bestimmte, auf die Augengesundheit bezogene, Werbeaussagen erlaubt. Auf dem Produkt macht es dann den Anschein, als bezögen sich diese Aussagen auf Lutein.

Neben den Lutein-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln finden sich derzeit noch sogenannte „ergänzende bilanzierte Diäten“ mit Lutein in Supermärkten, Drogerien, Apotheken oder im Internet. Sie werden damit beworben, Abhilfe bei Augenerkrankungen zu schaffen, insbesondere bei altersabhängiger Makuladegeneration (AMD; führt allmählich zu einem Verlust des zentralen Sehens und kann bis zur Erblindung führen). Da die Heilungsmöglichkeiten einer AMD sehr begrenzt sind, hoffen viele Betroffene auf solche Produkte und glauben den Versprechen der Hersteller. Auch von Augenärzten werden diese Produkte nicht selten empfohlen.

Nach derzeitigem Wissensstand kann Lutein eine AMD jedoch nicht heilen. Lediglich eine gewisse Verlangsamung beim Fortschreiten der AMD kann bei langfristiger Einnahme durch bestimmte Vitamin-Mineralstoff-Kombinationen plus Lutein und Zeaxanthin (AREDs-Rezeptur) erreicht werden. Dies ist allerdings nur bei einem Teil der Betroffenen und auch nur in einem bestimmten Stadium der AMD, das nur der Augenarzt feststellen kann, der Fall.

Außerdem sollten Sie sich das Nutzen/Risiko-Verhältnis einer Einnahme gut überlegen. Denn die langfristige zusätzliche Aufnahme isolierter Nährstoffe kann andere Nachteile mit sich bringen. So ist unter anderem bekannt, dass eine langfristige hochdosierte Einnahme von Zink, wie sie bei Produkten mit der AREDS- und AREDS2-Rezeptur erfolgt (Dosierung beträgt ein Vielfaches der vom Bundesinstitut für Risikobewertung für Nahrungsergänzungsmittel vorgeschlagenen Höchstmengen!), nicht unproblematisch ist: Nebenwirkungen können bspw. eine Veränderung der Blutkörperchen oder auch eine Beeinflussung der Kupferbilanz im Körper sein. Sollten Sie sich also für die Verwendung eines solchen Präparates entscheiden, lassen Sie die Einnahme unbedingt vom Augenarzt oder Hausarzt begleiten.

Auch bleibt offen, ob Lutein-haltige Produkte künftig weiterhin als Produkte der ergänzenden bilanzierten Diäten vermarktet werden können. Denn entsprechend neuer gesetzlicher Regelungen soll zukünftig strenger kontrolliert werden, ob Präparate wirklich wirksam sind. Hersteller müssen dann auf Nachfrage belastbare wissenschaftliche Daten wie placebokontrollierte Studien vorweisen können.

Worauf sollte ich bei der Verwendung Lutein-haltiger Nahrungsergänzungsmittel achten?

Es ist bekannt, dass sich die Carotinoide wechselseitig in ihrer Verfügbarkeit beeinflussen. So behindert Lutein die Aufnahme von Beta-Carotin und umgekehrt. Zudem ist eine Wechselwirkung mit zusätzlich eingenommenen Medikamenten nicht auszuschließen. Bevor Sie Lutein-haltige Präparate verwenden, ist daher eine Absprache mit dem Arzt zu empfehlen.

Besondere Vorsicht ist bei der Verwendung von Lutein-haltigen Kombipräparaten mit Beta-Carotin (z. B. AREDS-Rezeptur) geboten. So kann es bei der Einnahme zu unerwünschten Wirkungen wie gelben Verfärbungen der Haut und Magen-Darm-Beschwerden kommen. Vor allem aber gibt es Hinweise, dass die Entstehung von Nierensteinen begünstigt wird und sich das Lungenkrebsrisiko (vor allem bei Rauchern) erhöht.

Was ist Lutein?

Lutein gehört zu den Carotinoiden und somit zur Gruppe der Pflanzenfarbstoffe (sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe). In der Natur kommt es meist zusammen mit anderen Carotinoiden vor. Lutein ist vor allem in grünem Gemüse wie Spinat, Grünkohl, Brokkoli, Paprika und Erbsen, aber auch in Mais enthalten. Ebenfalls können Sie Lutein über verschiedene Obstsorten wie Nektarine, Pfirsich, Aprikose und Orange aufnehmen. Eine weitere gute Quelle stellt Hühnereidotter dar. Für Nahrungsergänzungsmittel werden in der Regel Extrakte aus Blütenblättern von Tagetes (Studentenblume) verwendet.

Lutein ist relativ hitzestabil. Untersuchungen haben ergeben, dass auch nach dem Kochen (15 min) noch ausreichend Lutein in den Lebensmitteln steckt. Es wird durch Kochen sogar noch besser für den Körper verfügbar gemacht. Zudem ist die Verfügbarkeit auch vom Fettgehalt der Mahlzeit abhängig. Fett fördert, Ballaststoffe und mittelkettige Fettsäuren dagegen hemmen die Lutein-Aufnahme.

Unser Tipp:
Nehmen Sie Lutein nicht isoliert als Nahrungsergänzungsmittel, sondern lieber im natürlichen Lebensmittelverbund auf. In 150 g Spinat sind beispielsweise bereits 18 mg Lutein enthalten. Dies ist vergleichbar mit der empfohlenen Tagesdosis der meisten Lutein-haltigen Nahrungsergänzungsmittel.

 

Quellen:


AREDS Research Group (2014): Secondary Analyses of the Effects of Lutein/Zeaxanthin on Age-Related Macular Degeneration Progression. JAMA Ophthalmol. 132 (2), 142-149. doi: 10.1001/jamaophthalmol.2013.7376.  (aufgerufen am 10.07.2018)

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit/Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (2016): Positionspapier des BVL und des BfArM. Charakterisierung von Lebensmitteln für besondere medizinische Zwecke (bilanzierten Diäten). Stand: 12.09.2016, abgerufen am: 10.07.2018

Deutsches Ärzteblatt: Augenärzte warnen vor Selbstmedikation bei Makuladegeneration. Stand: 12.03.2015. (aufgerufen am 10.07.2018)

Deutsche Ophtalmologische Gesellschaft, Retinologische Gesellschaft, Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (2014): Aktuelle Stellungnahme zu Nahrungsergänzungsmitteln bei altersabhängiger Makuladegeneration (AMD). (aufgerufen am 10.07.2018)

EFSA: Scientific Opinion on the re-evaluation of lutein preparations other than lutein with high concentrations of total saponified carotenoids at levels of at least 80%. EFSA Journal 2011; 9 (5); 2144 [25 pp.]. doi:10.2903/j.efsa.2011.2144.  (aufgerufen am 10.07.2018)

EFSA: Opinion of the Scientific Panel on Food Additives, Flavourings, Processing Aids and Materials in Contact with Food on a request from the commission related to Lutein for use in particular nutritional uses. EFSA Journal 2007, EFSA-Q-2003-128. doi: 10.2903/j.efsa.2007.315.  (aufgerufen am 10.07.2018)

EU Register on nutrition and health claims, Suchwort: Lutein.  (aufgerufen am 08.03.2018)

GSPS (2014): Farbstoffe fürs Auge. Hilft Lutein bei der Makuladegeneration? Gute Pillen, schlechte Pillen (5); 22-23.  (aufgerufen am 10.07.2018)

IQWiG: Nahrungsergänzungsmittel bei AMD. Stand: 29.07.2015.  (aufgerufen am 10.07.2018)

Pasaporte MS et al. (2014): Xanthophyll content of selected vegetables commonly consumed in the Philippines and the effect of boiling. Food Chem 158; 135-140.  (aufgerufen am 10.07.2018)

Satia JA, Littman A et al. (2009): Long-term use of beta-carotene,retinol, lycopene, and lutein supplements and lung cancer risk: results from the VITamins And Lifestyle (VITAL) study. American Journal of Epidemiology, Bd 169, Nr 7; 815-818. (aufgerufen am 10.07.2018)

 

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