Was macht Ashwagandha so problematisch?
Viele der Wirkungen, die Influencer:innen bei Ashwagandha besonders hervorheben, sind gleichzeitig besonders riskant. Dazu gehören:
- Auswirkungen auf das Immunsystem,
- die Auswirkungen auf die männliche Fruchtbarkeit, weil der Testosteronspiegel beeinflusst werden kann,
- Auswirkungen auf die Schilddrüsenhormone,
- die Hemmung der Acetylcholinesterase. Dieses Enzym sorgt normalerweise dafür, dass Nervensignale schnell wieder abgeschaltet werden. Wird es gehemmt, können Nerven dauerhaft gereizt sein. Das wird zwar gezielt therapeutisch genutzt, zum Beispiel bei Alzheimer, kann aber auch toxisch wirken.
Außerdem gibt es aus ganz Europa zahlreiche Berichte über mögliche Leberschäden nach Einnahme von Ashwagandha. Genannt werden unter anderem wie Müdigkeit, Schwäche, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Juckreiz sowie dunkler Urin und Gelbsucht. Die Beschwerden traten teils nach einer Woche, teils erst nach Monaten auf. Auch Durchfall und Benommenheit wurden gemeldet. In einem Fall kam es sogar zu akutem Leberversagen mit notwendiger Lebertransplantation.
Derzeit prüft die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA gemeinsam mit den EU-Mitgliedstaaten die Risiken von Ashwagandha. In einigen EU-Ländern, etwa in Dänemark, ist diese Pflanze aktuell verboten. In anderen Ländern wie Polen gelten Höchstmengen. Wieder andere Länder wie Frankreich schreiben Warnhinweise vor. Eine europaweit einheitliche Regelung gibt es bislang nicht.
In Deutschland liegt die Verantwortung derzeit allein beim Hersteller. Er muss sicherstellen, dass sein Nahrungsergänzungsmittel unbedenklich sich ist. Eine behördliche Prüfung vor der Markteinführung findet nicht statt.
Auf was sollte ich bei der Verwendung von Ashwagandha-Nahrungsergänzungsmitteln achten?
- Kinder, Schwangere, Stillende und Personen mit einer Lebererkrankung sollten Ashwagandha-Produkte nicht zu sich nehmen.
- Kaufen Sie keine Produkte ohne den vom Bundesinstitut für Risikobewertung empfohlenen Warnhinweis. Fehlt der Hinweis, spricht das nicht für einen verantwortungsvollen Hersteller.
- In Frankreich wird außerdem empfohlen, dass Menschen mit Schilddrüsen- oder Herzerkrankungen kein Ashwagandha nehmen sollten.
- Auch Frauen mit Kinderwunsch sollten auf Ashwagandha verzichten. In einer sehr frühen Schwangerschaft könnte es das Risiko einer Fehlgeburt erhöhen.
- In der Zutatenliste sollte klar stehen, welche Pflanzenteile enthalten sind. Einfach nur "Ashwagandha-Pulver" ist zu wenig.
- Die empfohlene Tagesdosis sollte maximal drei Gramm Ashwagandha oder maximal 10 Milligramm Withanolide betragen.
- Wechselwirkungen mit Medikamenten sind möglich. Sie sollten keine Nahrungsergänzungsmittel mit Ashwagandha nehmen, wenn Sie Beruhigungsmittel, Schlafmittel oder Antiepileptika nutzen.
- Bei Menschen mit Diabetes könnte Ashwagandha den Blutzucker zu stark senken.
Was sind Withanolide?
Die Schlafbeere gehört zur Familie der Nachtschattengewächse. Sie wächst in trockenen Gebieten der Tropen und Subtropen, zum Beispiel auf den Kanaren, im Mittelmeerraum, in Nordafrika und Südwestasien.
Die Pflanzenteile sind in Nahrungsergänzungsmitteln nicht neu: Tees aus der Wurzel wurden in der EU bereits vor 1997 als Lebensmittel verwendet.
Wichtige Bestandteile sind sogenannte Withanolide und verschiedene Alkaloide. Es ist unklar, ob und wie Withanolide im Körper wirken – zum Beispiel, ob sie in Hormone umgewandelt werden oder an Hormonrezeptoren andocken können.
Alkaloide wie das giftige Solanin kommen auch in anderen Nachtschattengewächsen wie Kartoffeln oder Tomaten vor. Tropanalkaloide finden sich ebenfalls in bestimmten Unkräutern auf Getreideäckern. Bei der Ernte können sie ins Getreide und so in getreidebasierte Lebensmittel gelangen. Zu den am besten untersuchten Vertretern dieser Stoffgruppe gehört das Atropin.

