Ist Lugolsche Lösung sinnvoll zur Jodversorgung?

Stand:
Die Lugolsche Lösung wird im Internet als eine Art Nahrungsergänzungsmittel für Jod verkauft. Ist die Einnahme sinnvoll? Denn die Jod-Versorgung in Deutschland ist ja wohl schlecht.
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Frage:

Ich habe verschiedene Angebote für Lugolsche Lösung im Internet gesehen. Sie wird als wahrer Tausendsassa beschrieben, gut für die Schilddrüse und das Immunsystem. Auf einer Seite stand auch der Hinweis "Nahrungsergänzungsmittel dienen nicht als Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Nicht für Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren geeignet." Die Tropfen enthalten 5 Prozent Jod. Die Lösung gibt an „Geprüft nach dem europäischen Arzneibuch (Ph.Eur.)“ Außerdem ist sie vegan, laktosefrei und glutenfrei.

Antwort:

Es stimmt, dass die Jodversorgung in Deutschland rückläufig ist. Dafür gibt es drei Gründe: Es wird weniger jodiertes Salz in Lebensmittelhandwerk, Lebensmittelindustrie und Privathaushalten verwendet. Immer mehr Menschen verzichten auf tierische Lebensmittel, die eine wichtige Jodquelle sind. Alternativen wie beispielsweise Pflanzendrinks sind selten mit Jod angereichert. Und auch der steigende Anteil von Bio-Produkten in der Ernährung, die grundsätzlich nicht angereichert werden dürfen, trägt dazu bei. 

Die Lugolsche Lösung (auch Iod-Kaliumiodidlösung oder Lugo-Lösung) ist keine Nahrungsergänzung, sondern ein in der Medizin zugelassenes, früher häufig eingesetztes Desinfektionsmittel zur äußeren Anwendung (daher der Hinweis auf das Arzneibuch). 

Die angebotenen Produkte sind jedoch auch keine Arzneimittel. Einnahme der Lugolschen Lösung ist gefährlich. Der sehr hohe Jodgehalt kann zu massiven Funktionsstörungen der Schilddrüse führen. 

Anfänglich kann es zu einer kompletten Blockade der Schilddrüsenfunktion mit einer zeitweisen, mitunter schweren Hypothyreose kommen. Bei Menschen mit bestehenden Schilddrüsenerkrankungen, wie autonomen Adenomen oder einer Autoimmunthyreoiditis, kann anschließend eine Hyperthyreose, also eine Überfunktion, auftreten. 

Schon ein kleiner Tropfen, in etwa 0,05 Milliliter, der Lugolschen Lösung (5 Prozent) enthält mit 6,3 Milligramm mehr als das 40fache der Zufuhrempfehlung für Erwachsene von 150 Mikrogramm Jod am Tag. In einem Milliliter der Lösung sind 126.000 Mikrogramm Jod enthalten. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sieht die langfristige Aufnahme von lediglich 600 Mikrogramm Jod pro Tag (aus allen Quellen, also inklusive Lebensmittel, Salz, Wasser etc.) als unproblematisch für Erwachsene an.

Vorhandene Hinweise, wie sie bei Nahrungsergänzungsmitteln vorgeschrieben sind, Dosierangaben oder auch lebensmitteltypische Kennzeichnungen wie 100 Prozent vegan, laktosefrei oder glutenfrei sowie gesundheitsbezogene Wirkaussagen (Health claims), sind irreführend und keine Einnahmeempfehlung. Es ist ein Mittel zur äußeren Anwendung! 

Einen Hinweis, zum Beispiel auf dem Produktsicherheitsblatt "nur für Laborzwecke bestimmt" sollten Sie unbedingt ernst nehmen. Aus diesem Desinfektionsmittel wird Jod sogar über die Haut aufgenommen. Deswegen wird es im Labor oft nur noch zur Anfärbung von Bakterien genutzt.

Als Nahrungsergänzungsmittel sind nur Natriumjodid, Natriumjodat, Kaliumjodid und Kaliumjodat zugelassen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, dass Nahrungsergänzungsmittel für Personen ab 15 Jahren nicht mehr als 100 Mikrogramm oder 150 Mikrogramm für schwangere und stillende Frauen pro Tag enthalten sollten.

Liegt ein ärztlich festgestellter Mangel vor, gibt es passend dosierte Arzneimittel, die dann auch verschrieben werden.

 

Quellen:


DGE: Referenzwerte für Jod. Wissenschaftliche Ableitung 2025 (zuletzt abgerufen am 09.03.2026) 

BfR (2024): Höchstmengenvorschläge für Jod in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln (zuletzt abgerufen am 09.03.2026)

BfR (2007): Gesundheitliche Risiken durch zu hohen Jodgehalt in getrockneten Algen. Aktualisierte Stellungnahme Nr. 026/2007 des BfR vom 22. Juni 2004, Stand: 12.06.2007 

EFSA (2014): Scientific Opinion on Dietary Reference Values for iodine. EFSA Journal 12 (5): 3660

Iod-Kaliumiodid-Lösung. DocCheckFlexikon, Stand: 21.03.2024 (zuletzt abgerufen am 09.03.2026) 

AK Jodmangel (2021): Gefährlicher Trend: Lugol’sche Lösung für Jodsupplementation und Jodsättigungstest. Stand: 10.06.2021 (zuletzt abgerufen am 09.03.2026)

Bedenklicher Trend: Aufgemaltes Jodgitter gegen Husten. Apotheke adhoc, Stand:

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