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Miracle Mineral Supplement (MMS): Erhebliche Gesundheitsgefahr

Stand:

MMS - Wundermittel bei verschiedenen Krankheiten? Im Gegenteil: Gesundheitsbehörden warnen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Werbung verspricht eine kostengünstige, einfache und schnelle Heilung von Aids, Hepatitis, Krebs und vielen weiteren ernsten Erkrankungen.
  • Tatsächlich gibt es keinen einzigen Nachweis für irgendeine positive Wirkung von MMS.
  • MMS besteht aus der Chemikalie Natriumchlorit. Wird diese aktiviert entsteht das als "sehr giftig", "ätzend", "umweltgefährlich" und "brandfördernd" eingestufte Chlordioxid.
  • Von der Einnahme geht eine erhebliche Gesundheitsgefahr aus. Von der Verwendung ist dringend abzuraten!
Fläschchen Tropfen
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Was steckt hinter der Werbung zu Miracle Mineral Supplement (MMS)?

Die Werbung wie auch die Homepage des "Erfinders" Jim Humble versprechen wahre Wunder: "Für AIDS, Hepatitis A, B und C, Malaria, Herpes, Tuberkulose, die meisten Krebsformen und viele weitere ernste Erkrankungen gibt es nun eine Lösung. Zahlreiche Krankheiten lassen sich jetzt erfolgreich bekämpfen..." Tatsächlich gibt es keine einzige wissenschaftliche Studie, die irgendeine positive Wirkung von MMS belegt und auch für Jim Humbles zahlreiche "Erfahrungsberichte" finden sich keinerlei Nachweise.

Ganz im Gegenteil hat die US Food & Drug Adminstration (FDA) im August 2019 ihre Verbraucherwarnung vor den gefährlichen und möglicherweise lebensbedrohlichen Nebenwirkungen von MMS  aus dem Jahr 2010 wiederholt, da die gemeldeten gesundheitlichen Probleme zugenommen haben.

Auch deutsche Behörden empfehlen Verbrauchern, die "MMS" gekauft haben, die Einnahme sofort zu stoppen. Sie sollten sich unbedingt an einen Arzt wenden, wenn sie nach der Verwendung des Produktes eine gesundheitliche Beeinträchtigung bemerken.

Besonders kritisch ist das große Angebot von "Ratgebern" zum Thema "MMS", oft in Kombination mit den Produkten (getarnt als Bleichmittel oder Desinfektionsmittel) oder der Bewerbung "andere Kunden kauften auch..."

Kürzlich kam es zu einem längst überfälligen Urteil des Bundesgerichtshofes.  Verurteilt, zu einer Haftstrafe von 3 Jahren und 2 Monaten, wurde ein Verkäufer, der in seinem Online-Shop die Stoffe als Bleichmittel und zur Desinfektion verkaufte. Diesem Hinweis folgten jedoch Angaben zur Dosierung, Einnahmehäufigkeit und zu Mischungsverhältnissen – außerdem warben verlinkte Internetseiten damit, die Mittel könnten Diabetes, Asthma, AIDS, Herpes oder Tuberkulose heilen.

Warum wird vor der Verwendung von MMS gewarnt?

  • Chlordioxid wirkt auf Haut und Schleimhaut je nach Konzentration reizend bis ätzend.
  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Nierenversagen, schwere Darmschädigungen und Blutdruckabfall können die Folge sein.
  • Berichtet wird auch von einem Todesfall: So starb eine Frau innerhalb von 12 Stunden nach der Einnahme.
  • Besonders Kinder sind aufgrund ihres geringen Körpergewichts stark gefährdet.
  • Falls bereits Gesundheitsstörungen oder Nebenwirkungen aufgetreten sind, informieren Sie bitte unverzüglich ihren Arzt.

Restbestände von MMS müssen als Sondermüll entsorgt werden.

Inzwischen sind auch in Deutschland Fälle von unerwünschten Wirkungen nach der Verwendung von "MMS" bekannt geworden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät von der Einnahme und der Verwendung von "MMS" dringend ab. Auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) warnt vor der Einnahme von "MMS" durch Menschen und vor der Verwendung bei Tieren.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sieht diese Produkte als bedenklich an, weil der begründete Verdacht besteht, dass sie bei bestimmungsgemäßem Gebrauch schädliche Wirkungen haben, die über ein vertretbares Maß hinausgehen.

Im Mai 2014 hatte es eine Warnung herausgegeben, nachdem "MMS" verstärkt über Spam-E-Mail und unsichere Internet-Quellen gemeinsam mit einer verdünnten Säure als Hilfe gegen Krebs, Malaria, chronische Infektionen und weitere Krankheiten beworben wurde. Am 26. Februar 2015 hat das BfArM zwei "MMS"-Produkte als zulassungspflichtig und bedenklich eingestuft. Nach Auffassung des BfArM handelt es sich um sogenannte Präsentations­arzneimittel, weil der Hersteller eindeutige Heilversprechen macht und arzneiliche Zweckbestimmungen angibt. Außerdem verweist der Hersteller im Internet auf ein Buch, in dem Anwendung und Wirksamkeit von MMS etwa bei Malaria und Krebs beschrieben werden. Hierzu ist inzwischen das oben beschriebene Urteil des Bundesgerichtshofs ergangen.

Auch die US Food & Drug Adminstration (FDA) wiederholt im August 2019 ihre Warnung an die Verbraucher aus dem Jahr 2010 vor den gefährlichen und möglicherweise lebensbedrohlichen Nebenwirkungen der nicht zugelassen Multi Mineral Solution, da die gemeldeten gesundheitlichen Probleme zugenommen haben.

Was ist MMS?

MMS enthält die Chemikalie Natriumchlorit (NAClO2) - nicht zu verwechseln mit Natriumchlorid, Kochsalz). Wird Natriumchlorit in Wasser gelöst und mit einer Säure (z.B. Zitronensäure, Fruchtsäure aus Säften oder Essig) vermischt, bildet sich das als "sehr giftig", "ätzend", "umweltgefährlich" und "brandfördernd" eingestufte Chlordioxid. Diese Substanz wird normalerweise als Desinfektionsmittel bei der industriellen Wasseraufbereitung und als Bleichmittel für Textilien eingesetzt.

Bis 1957 wurde Chlordioxid auch als Zusatzstoff zum Bleichen von Mehl verwendet, nach Tierversuchen mit schweren Nierenschäden jedoch verboten. Chlordioxid ist in Europa weder als Lebensmittel noch für Lebensmittel erlaubt. Auch Natriumchlorit als arzneilich wirksamer Bestandteil ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen. Um dagegen nicht zu verstoßen, wird man auf einschlägigen Internetseiten an Anbieter für Wasser­aufbereitungsmittel weitergeleitet.

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