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Pyrrolizidinalkaloide - natürlicher Fraßschutz gefährdet die Gesundheit

Stand:

Pflanzliche Nahrungsergänzungen und Bienenprodukte können krebserregende Pyrrolizidin­alkaloide enthalten. Worauf können Verbraucher achten?

Das Wichtigste in Kürze:
Achtung, kann der Gesundheit schaden

  • Pyrrolizidinalkaloide (PA) können natürlicherweise in pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln (vor allem Wasserdost, Huflattich, Borretsch) und in Bienenprodukten (Blütenpollen, Gelee royale) enthalten sein.
  • Durch Verunreinigungen sind auch Johanniskraut-haltige Nahrungsergänzungsmittel (nicht Arzneimittel) betroffen.
  • Sie sind auch in kleinsten Mengen gesundheitsschädlich (giftig für die Leber, krebserregend).
  • Achten Sie auf Herstellerhinweise, dass die Produkte auf PA kontrolliert wurden.
Gelée Royale
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In welchen Nahrungs­ergänzungsmitteln könnten Pyrrolizidinalkaloide vorkommen?

Pyrrolizidinalkaloide (PA) sind natürliche Inhaltsstoffe verschiedener Pflanzen. Sie können das Erbgut schädigen und Krebs hervorrufen. Ihre Abbauprodukte sind giftig für die Leber.

Zu den für Nahrungs­ergänzungsmittel (NEM) interessanten PA bildenden Pflanzen gehören beispielsweise:

  • Borretsch (Borrago officinalis)
  • Wasserdost (Eupatorium perfoliatum)
  • Chromolaena odorata
  • Echter Steinsame (Lithospermum officinale)
  • Geflecktes Lungenkraut (Pulmonaria officinalis)
  • Beinwell (Symphytum officinale)
  • Pestwurz (Petasites hybridus)
  • Huflattich (Tussilago farfara)
  • Natternkopf (Echium)
  • Greisskraut (Senecio)

Diese Pflanzen können einerseits selbst Bestandteil (Zutat) von pflanzlichen NEM sein. PA können aber auch durch das Miternten von diesen oder anderen PA bildenden Beikräutern - als Verunreinigung - in pflanzliche NEM hineingelangen. Das ist sehr häufig bei Nahrungsergänzungsmitteln mit Johanniskraut der Fall.

Nach Ansicht des Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) können Erwachsene über diese Produkte größere PA-Mengen aufnehmen. In einigen NEM ist nach Angaben des BfR der Gehalt sogar so hoch, dass bereits nach kurzfristigem Verzehr toxische Wirkungen möglich sind. Insbesondere aber könnte die Verwendung derartiger Produkte über längere Zeit zu einem Gesundheitsrisiko werden.

Eine Untersuchung im Auftrag der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA ergab, dass 60 % der untersuchten 191 Nahrungs­ergänzungsmittel PA enthielten, jedoch in sehr unterschiedlichen Mengen. Am meisten belastet waren NEM, die die oben genannten PA-bildenden Pflanzen enthielten. Bei uns besonders relevante Pflanzen sind laut BfR Borretsch, Wasserdost und Huflattich. Auch Johanniskraut-haltige Produkte waren in fast jeder untersuchten Probe mit PA belastet. Da Johanniskraut selbst keine PA-bildende Pflanze ist, stammen die enthaltenen PA in diesem Fall vermutlich aus einer Verunreinigung mit anderen Wildkräutern.

Weitere kritische NEM sind Bienenprodukte (vor allem auf Basis von Pollen, Gelée Royal, und Bienenharz, selten Propolis). Die PA gelangen über Bienen, die PA-haltige Kräuter anfliegen, in diese Produkte.

Auf was sollte ich achten?

Das BfR hat NEM-Produzenten empfohlen, ihre Produkte auf PA-Gehalte zu untersuchen und die Verbraucher entsprechend zu informieren.

Achten Sie also auf die Informationen der Hersteller und kaufen Sie bevorzugt Produkte mit entsprechenden Hinweisen.

Finden Sie bei pflanzlichen NEM keine solchen Hinweise, sollten Sie am besten vor dem Einkauf beim Hersteller nachfragen und sich ggf. auch Untersuchungsergebnisse zeigen lassen. Das gilt ganz besonders für NEM, die Bestandteile von eine der oben genannten Pflanzen enthalten. Wenn Sie die Ergebnisse nicht verstehen, bitten Sie einen Apotheker um Hilfe oder fragen Sie uns.

Weitere Fragen und Antworten dazu gibt es in den aktualisierten FAQs des BfR.

Was sind Pyrrolizidinalkaloide?

Pyrrolizidinalkaloide (PA) sind natürliche Inhaltsstoffe verschiedener Pflanzen. Sie werden als Fraßschutz gebildet.

PA kommen in mehr als 6000 Pflanzenarten vor, vor allem in drei Familien:

  • den Korbblütlern (Asteraceae)
  • den Hülsenfrüchtlern (Fabaceae oder Leguminosae) und
  • den Rauhblatt- oder Borretschgewächsen (Boraginaceae)

Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA geht davon aus, dass PA beim Menschen das Erbgut schädigen und Krebs hervorrufen können. Ihre Abbauprodukte sind zudem giftig für die Leber. PA können daher auch in kleinen Mengen ein Risiko für die Gesundheit darstellen. In Lebensmitteln wie auch in Nahrungsergänzungsmitteln sind PA daher unerwünscht. Im Gegensatz zu (pflanzlichen) Arzneimitteln gibt es bei Nahrungsergänzungsmitteln aber keine gesetzlichen Grenzwerte für PA.

PA kann man auch in ganz normalen Lebensmitteln wie Kräutertees oder Honig weder sehen noch riechen oder schmecken.

 

Quellen:


Fragen und Antworten zu Pyrrolizidinalkaloiden in Lebensmitteln. Aktualisierte FAQ des BfR vom 14.06.2018

Bundesinstitut für Risikobewertung (2018): Aktualisierte Risikobewertung zu Gehalten an 1,2-ungesättigten Pyrrolizidinalkaloiden  (PA) in Lebensmitteln. Stellungnahme Nr. 020/2018 des BfR vom 14.06.2018

Laves - Institut für Bienenkunde Celle (August 2017): Pyrrolizidin-Alkaloide: Honig, Pollen, Bienen.

Bundesinstitut für Risikobewertung (2016): Pyrrolizidinalkaloide: Gehalte in Lebensmitteln sollen nach wie vor so weit wie möglich gesenkt werden. Stellungnahme Nr. 030/2016 des BfR vom 28.09.2016

Muldera PPJ, López Sánchez P, These A et al. (2015): External Scientific Report: Occurrence of Pyrrolizidine Alkaloids in food. EFSA supporting publication 2015:EN-859

Panel on Contaminants in the Food Chain (2011): Scientific Opinion on Pyrrolizidine alkaloids in food and feed. EFSA Journal 2011;9(11):2406 [134 pp.], DOI: 10.2903/j.efsa.2011.2406

Kapp T (2017): Pyrrolizidinalkaloide in Küchenkräutern – Vorsicht bei borretschhaltigen Mischungen, CVUA Stuttgart 18.04.2017 (abgerufen am 15.06.18)

Hardebusch B, Ohmenhäuser M (2013): Pyrrolizidinalkaloide in Honig - nicht nur in Tee ein Problem, CVUA Freiburg 28.08.2013, (abgerufen am 15.06.18)

Von der Ohe W (2015): Pyrrolizidin-Alkaloide: Honig, Pollen, Bienen. LAVES-Institut für Bienenkunde Celle, 2015

Wiedenfeld H (2009): Gesetzliche Regelungen zum Auftreten von Pyrrolizidinalkaloiden (PA) in Phytopharmaka, Lebens- und Futtermitteln im Zusammenhang mit ihrer Toxizität. Pharmazeutisches Institut der Universität Bonn, September 2009

Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA: Pyrrolizidinalkaloide in Tee, Kräutertees und Nahrungsergänzungsmitteln. Stand: 27.07.17

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