Mumijo bei Darmproblemen?
Ist Mumijo wirklich so ein tolles Heilmittel? Die Werbung verspricht Hilfe bei Entzündungen und Magen-Darm-Problemen. Wissenschaftlich überzeugende Belege für eine solche Wirkung fehlen bislang.
Frage
Ist Mumijo wirklich ein so tolles Heilmittel? Die Werbung verspricht Hilfe bei Magen-Darm-Problemen und Entzündungen. Manche berichten sogar von heilenden Wirkungen auf Gehirn, Knochen und die Fruchtbarkeit.
Antwort
Mumijo (Shilajit, Asphaltum punjabinum, Mooljoon) ist ein bräunliches asphalt- oder gummiartiges Naturprodukt, eine Art verharzter Humus. Es wird auch als ein während der Verwesung entstandenes Bakterienprodukt aus einer Mischung von Pflanzenresten, Flechten und Harzen beschrieben. Es kommt in zentralasiatischen Bergregionen vor, vor allem in Kasachstan, Kirgisistan, Tibet und Usbekistan. Je nach Alter und geografischer Herkunft kann es eine unterschiedliche Zusammensetzung haben.
Mumijo wird in der ayurvedischen Heilkunde verwendet. In Deutschland ist Mumijo als Nahrungsergänzungsmitteln erhältlich und wird als "Schwarzes Gold der Erde" beworben. Für die zahlreichen beworbenen gesundheitlichen Wirkungen fehlen jedoch belastbare wissenschaftliche Nachweise. Die vorhandenen wissenschaftlichen Untersuchungen beziehen sich überwiegend auf experimentelle Anwendungen und erlauben keine zuverlässigen Aussagen zur Wirksamkeit von Mumijo bei Menschen.
Aussagen wie "Hervorragende Quelle für eine Reihe von Mineralstoffen, Spurenelementen, Aminosäuren", "erhöht die Widerstandsfähigkeit gegen bakterielle und virale Infektionen" oder "ideal für die Regeneration von geschädigten Geweben und Knochen“ sind in dieser Form wissenschaftlich nicht ausreichend belegt und lebensmittelrechtlich problematischt. Gleiches gilt für (angebliche) Erfahrungsberichte über heilende Wirkungen auf Gehirn, Knochen und die Fruchtbarkeit. Darüber hinaus ist die Werbung mit einer Vorbeugung, Behandlung oder Heilung von Krankheiten für Nahrungsergänzungsmittel verboten.
Ein hoher Mineralstoffgehalt von Shilajit darf nur dann beworben werden, wenn der Mineralstoff namentlich benannt ist und die gesetzlichen Voraussetzungen für die entsprechende nährwertbezogene Angabe erfüllt sind.
Die genaue Zusammensetzung der erhältlichen Produkte ist für Verbraucher:innen jedoch häufig nicht nachvollziehbar. Einige Hersteller werben mit einem besonders hohen Gehalt an Huminsäure und Fulvinsäure.
Huminsäuren können die Zusammensetzung des Mikrobioms („Darmflora“) beeinflussen. Ein gesundheitlicher Nutzen ist damit jedoch nicht nachgewiesen. Belastbare klinische Nachweise für eine Wirksamkeit bei Magen-Darm-Beschwerden oder Entzündungen fehlen bislang. Huminsäuren sind zudem in der Lage, bestimmte Stoffe zu binden. Ob und in welchem Umfang ihre Einnahme die Aufnahme von Arzneimitteln oder Nährstoffen beim Menschen beeinflusst, ist bislang nicht ausreichend geklärt.
Bei den Fulvinsäuren handelt es sich um eine Gruppe organischer Säuren mit uneinheitlicher Zusammensetzung. Sie entstehen ebenso wie die Huminsäuren bei der Zersetzung von Pflanzenmaterial. Aus experimentellen Untersuchungen gibt es Hinweise auf entzündungshemmende Eigenschaften. Ob diese Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind, ist unklar.
Fulvinsäure (Fulvic Acid) selbst gilt laut EU-Novel-Food-Katalog als neuartig in Nahrungsergänzungsmitteln und herkömmlichen Lebensmitteln und bedarf daher einer Zulassung durch die EU. Aktuell ist sie als Zutat nicht zugelassen. Die Angabe "reich an Fulvinsäuren" als nährwertbezogene Angabe ist ebenfalls unzulässig.
Auch die gesundheitliche Sicherheit von Mumijo-Produkten ist nicht ausreichend untersucht. Insbesondere fehlen Langzeitdaten für die Verwendung durch Schwangere, Stillende, Kinder, chronische Kranke und Menschen mit Autoimmunerkrankungen. Auch Wechselwirkungen mit Medikamenten sind nicht ausgeschlossen.
In der Vergangenheit sind Mumijo-Produkte immer wieder wegen erhöhter Gehalte an Schwermetallen bzw. nicht zugelassenen krankheitsbezogenen Aussagen aufgefallen. Bei einer Untersuchung von zwölf Produkten durch das CVUA Stuttgart im Jahr 2026 wurden zwar keine überhöhten Schwermetallgehalte festgestellt, jedoch waren vier Produkte auffällig mit gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH) belastet. Ein Produkt wurde aufgrund seines hohen Gehalts an aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH) als nicht sicher beurteilt. Die bloße Angabe „laborgeprüft“ garantiert keine umfassende Schadstoffkontrolle. Häufig beziehen sich solche Prüfungen nur auf einzelne Stoffgruppen.
Quellen:
Mumijo vom Pamir. Heilkraft aus Nagetier-Exkrementen. Deutsche Apotheker Zeitung online vom 09.07.2015 (abgerufen am 02.11.2023)
Winkler J; Gosh S (2018): Therapeutic Potential of Fulvic Acid in Chronic Inflammatory Diseases and Diabetes. J Diabetes Res: 5391014.
Swidsinski A et al. (2017): Impact of humic acids on the colonic microbiome in healthy volunteers. World J Gastroenterol 23 (5): 885-890
What Is Fulvic Acid? And Is It Worth the Hype? Stand: 23.03.2022
Kamgar E et al. (2025): Quantifying thallium in Shilajit and its supplements: health risk assessment. BMC Chemistry 19 (20)
EU-Novel-Food-Katalog (abgerufen am 01.09.2025)
Güneri M et al. (2026): Shilajit – der neueste Sh*t. CVUA Stuttgart, Stand: 29.04.2026
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