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Sauerkirsche zur Harnsäuresenkung?

Stand:
Off

Frage

Helfen Montmorency Sauerkirschen als Pulver oder Extrakt wirklich zur Harnsäuresenkung?

Antwort

Sauerkirschen werden von der Werbung vielfältige Wirkungen zugesprochen, unter anderem die Senkung von Harnsäure bzw. Reduktion von Gichtanfällen.

Die bisherige Studienlage zu diesem Thema ist jedoch nicht eindeutig. Einmal existieren nur wenige Studien. Diese wurden uneinheitlich durchgeführt - einige mit Sauerkirschen, andere mit Kirschextrakt und/oder mit frischem oder konzentriertem Kirschsaft. Teilweise wurden zusätzlich Medikamente wie Allupurinol eingenommen. Die Studien wurden oft nur mit wenigen Probanden durchgeführt, teilweise sogar mit gesunden jungen Freiwilligen, die keine Gicht hatten. Bei einem Teil der Probanden führte der Verzehr der Kirschen, des Saftes oder des Extraktes zu einer Senkung der Harnsäurewerte oder einer Verringerung der Gichtanfälle, bei vielen anderen jedoch nicht. Es ist daher unklar, in welcher Form (frische Kirsche? Saft? Extrakt? usw.), welcher Art von Extrakt, in welcher Dosierung und über welchen Zeitraum ein Verzehr empfehlenswert wäre.

Bisher gibt es auch keine ärztliche Organisation, die Kirsch(saft)pulver oder -extrakt, zum Beispiel in ihren Leitlinien, als mögliche nichtmedikamentöse Therapie zur Vorbeugung oder Behandlung von Gicht empfiehlt.

Der britische National Health Service betont, dass für die in den Medien bzw. der Werbung getätigten sehr euphorischen Aussagen zur Wirkung von Kirsch(saft)extrakt keine Belege gefunden werden konnten und weitere, wissenschaftlich belastbare klinische Studien nötig seien.

Pulver oder Extrakt von Montmorency Sauerkirschen wird als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Wie der Name schon sagt, sollen Nahrungsergänzungsmittel die Nahrung ergänzen, sie dürfen aber nicht dafür beworben werden, Krankheiten zu heilen oder zu lindern, also auch nicht erhöhte Harnsäurewerte zu senken.

Für den Verkauf als Arzneimittel wären ein wissenschaftlich nachgewiesener Nutzen, eine Sicherheitsüberprüfung und eine Zulassung notwendig, Neben- und Wechselwirkungen müssten genannt werden.

Pflanzlich“ bedeutet nicht, dass die Produkte keine Nebenwirkungen haben können. Unklar ist besonders die Sicherheit der langfristigen Einnahmen von hochdosierten Extrakten.

Wir empfehlen Ihnen, Ihren Arzt zu fragen, welche nicht-medikamentösen Therapieformen er zur Senkung der Harnsäurewerte bzw. zur Vorbeugung von Gichtanfällen vorschlägt.

Im Gegensatz zum Verzehr von Extrakten sehen wir den Verzehr von Kirschen oder Kirschsaft als unbedenkliche Möglichkeit, eine Gichttherapie (im Rahmen einer Ernährungstherapie) zu unterstützen. Auch hier empfehlen wir die Rücksprache mit dem Arzt.

Bitte beachten Sie, dass die Antwort auf diese Verbraucheranfrage den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.

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