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Appetithemmer für ein Abnehmen ohne Hunger

Stand:

Appetithemmer, Appetitzügler oder Sättigungskapseln sollen zur Traumfigur verhelfen. Wie gut klappt das tatsächlich?

Das Wichtigste in Kürze:
Hat keine Wirkung!

  • Appetithemmer, -zügler oder Sättigungskapseln sollen laut Werbung das Abnehmen leicht machen.

  • Doch ohne Ernährungsumstellung und sportliche Aktivität ist ein langfristiger Erfolg nicht zu erzielen und ein Jojo-Effekt vorprogrammiert.

  • Achtung, bei einigen Produkten kann es zu unerwünschten Wirkungen kommen.

Appetithemmer für ein Abnehmen ohne Hunger
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Was steckt hinter der Werbung zu Appetithemmern und Co.?

Endlich weniger Appetit - das klingt verlockend, ist es doch gerade der Heißhunger auf Süßes oder auch Herzhaftes, welcher das Abnehmen so schwer macht. Die als Appetithemmer, Appetitzügler oder Sättigungskapseln beworbenen Produkte versprechen, dass sie das Hungergefühl drosseln und somit das Körpergewicht reduzieren. Die zugrunde liegenden Mechanismen sind vielseitig. So sollen einige Produkte direkt auf das Gehirn wirken (zum Beispiel Hoodia, Mate Tee, andere sollen ihre Wirkung im Darm entfalten (zum Beispiel Chitosan, Orlistat, Glucomannan). Wissenschaftliche Belege liegen allerdings nur für die Inhaltsstoffe Glucomannan und Orlistat vor.

Doch Wunder sind durch diese Produkte nicht zu erwarten und an einer Ernährungsumstellung und zusätzlicher körperlicher Betätigung führt kein Weg vorbei.

Auf was sollte ich bei der Verwendung von Appetithemmern und Co. achten?

Appetithemmer und Co. bergen die Gefahr, dass man sich an den Sättigungseffekt gewöhnt und diesen nach der Gewichtsabnahme und Absetzen der Produkte durch größere Essensmengen kompensiert. Ohne eine Einschränkung der Kalorienzufuhr funktionieren die Produkte nicht. Neben einer Ernährungsumstellung sind Bewegungs- und Verhaltensänderungen nötig, um eine nachhaltige Gewichtsreduktion zu erzielen.

Teilweise enthalten die Produkte zusätzlich Pflanzenstoffe mit abführender oder entwässernder Wirkung, so dass der Gewichtsverlust nur zum Teil echt ist. Bei einigen Produkten können Wechselwirkungen mit Arzneimitteln auftreten – sprechen Sie bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme unbedingt vor der Verwendung solcher Produkte mit Ihrem Hausarzt oder Apotheker. Besondere Vorsicht ist bei Schlankheitsmitteln aus dem Internet geboten: Häufig werden in angeblichen Schlankheitstees, -kaffees und –kapseln oder auch Fatburnern gesundheitlich riskante und verbotene Zusätze gefunden, z.B. Sibutramin, Ephedrin oder gar Dinitrophenol (DNP).

Bei Produkten mit sogenannten Quellstoffen (Apfelpektin, Alginat, Zellulose, Glucomannan) müssen die Kapseln mit viel Wasser geschluckt werden, um einer Verstopfung vorzubeugen. Eine zu hohe Verzehrmenge kann auch zu Völlegefühl, Bauchschmerzen und Blähungen führen. Unbedingt die Hinweise des Herstellers beachten.

Bei Produkten mit sogenannten Fettblockern  (z.B. Chitosan) kann die Aufnahme von fettlöslichen Vitaminen und essentiellen Fettsäuren und auch von gleichzeitig eingenommenen Medikamenten (z.B. auch der Pille) verhindert werden.

Von den Nahrungsergänzungsmitteln sind die sogenannten "Anorektika" abzugrenzen. Diese sind Medikamente (Orlistat, Liraglutid, Cathin und Amfepramon), die die körpereigene Regulierung von Hunger und Sättigung über entsprechende "Schalter" im Gehirn beeinflussen. Sie werden manchmal zur Unterstützung einer Therapie von krankhafter Fettsucht (BMI ab 30) vom Arzt verschrieben. Von den Krankenkassen werden die Kosten für Anorektika nicht übernommen. Starke Nebenwirkungen wie Herzrasen, Schlafstörungen, Bluthochdruck, Impotenz oder Veränderungen der Psyche können auftreten. Bei Dauergebrauch besteht die Gefahr einer Abhängigkeit. Vor allem die beiden letztgenannten Wirkstoffe Cathin und Amfepramon sind wegen ihrer gefährlichen Nebenwirkungen in vielen Ländern nicht zur Behandlung von Übergewicht zugelassen.
 

Tipp: Natürliche Appetithemmer

Nüsse sind ideal, um Sie lange satt zu machen, besonders gut eignen sich Mandeln wegen des hohen Protein-und Ballaststoffgehalts. Auch einige Gemüse- und Obstsorten sind perfekte Hungerstiller, vor allem sie gut gekaut werden müssen, z.B. Möhren oder Äpfel. Äpfel sind eine natürliche Pektinquelle. Als warme Lebensmittel bieten sich Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen oder Kidneybohnen an, idealerweise in Kombination mit etwa Chili-Schärfe.

Ein guter, lange sättigender Zwischensnack ist ein hart gekochtes Ei.

Auch warme Getränke wie Gemüsebrühe oder Tees helfen, einmal weil sie den Magen füllen, zum anderen weil bestimmte Sorten wie Ingwer-, Pfefferminz- oder Matetee dafür sorgen, dass wir weniger Hunger verspüren.

Der Duft von Vanille vertreibt ebenfalls den Hunger, eine gute Kombi ist Vanillemark in fettarmem Naturjogurt oder in mit kohlensäurehaltigem Wasser aufgeschlagenen Magerquark als Dip für Apfelstücke.

Nicht zuletzt: Das Putzen der Zähne mit pfefferminzhaltiger Zahnpasta soll bei akuten Hungerattacken ebenfalls Abhilfe schaffen. Auf jeden Fall kann es nicht schaden, wenn Sie es für sich mal ausprobieren.


Was sind Appetithemmer und Co.?

Appetithemmer und Co. sind Produkte, die durch eine Reduzierung des Hungergefühls bzw. durch eine Verstärkung des Sättigungsgefühls zu einer Gewichtsreduktion verhelfen sollen. Eine genaue Definition dieser Produktgruppe gibt es allerdings nicht.

Meist enthalten appetitbremsende Nahrungsergänzungsmittel Mate- oder Guarana-Extrakte, die ganz leicht hungerdämpfend, anregend und leicht entwässernd wirken, aber nicht zu einer echten und schon gar nicht zu einer dauerhaften Gewichtsreduktion führen. Die angeblich hungerdämpfende Wirkung ist wissenschaftlich nicht bewiesen.

Die sogenannten Quellstoffe aus Ballaststoffen, wie zum Beispiel (Apfel-)Pektin, Alginat, Zellulose oder Glucomannan sind in der Lage, eine relevante Menge Wasser im Darm zu binden und aufzuquellen, was ein Sättigungsgefühl auslöst.

Häufig werden auch sogenannte Fettblocker (z.B. Chitosan, Orlistat) zu diesen Produkten gezählt. Durch die blockierte Fettverdauung im Darm, werden die kalorienreichen Fette unverdaut wieder ausgeschieden, was zu einer gesteigerten Darmtätigkeit führt und ein Sättigungsgefühl hervorgerufen wird.

 

Quellen:


Said A: Mit Arzneimitteln zum Wunschgewicht? Zu Wirkungen und Risiken von zugelassenen und nicht zugelassenen Antiadiposita. Deutsche Apotheker Zeitung Nr. 10, 2016, S. 48.

Patientenleitlinie  zur Diagnose und Behandlung der Adipositas, 1. Ausgabe Januar 2019 

Gesundheitsinformation.de: Programme und Medikamente zum Abnehmen. Stand: 10.01.2018, abgerufen am 20.08.19

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