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Bor: ein Gesundheitsrisiko?

Stand:

Borax oder Borsäure sollen bei Gelenkproblemen und Krebs helfen.

Das Wichtigste in Kürze: Achtung! Kann Gesundheit schaden

  • Funktion und Tagesbedarf beim Menschen ist unbekannt.  
  • Nutzen und Risiken sind nicht ausreichend erforscht.
  • Bor als Nahrungsergänzungsmittel kann nicht empfohlen werden.
Bor Borax Borsäure in Lebensmitteln
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Was steckt hinter der Werbung zu Bor?

Werbeaussagen zum Halbmetall Bor (Boron) suggerieren neben einem positiven Einfluss auf den Knochenstoffwechsel sowie bei Gelenkproblemen auch einen Schutz vor Krebs, speziell vor Prostatakrebs. Zu finden ist dabei Gesundheitswerbung wie "Spurenelement mit beruhigenden Eigenschaften für Knochen, Gelenke und Gewebe". Teilweise steht auch "Bor verhindert die Umwandlung von Testosteron zu Östrogen" auf Angebotsseiten von Anbietern, die für Produkte zum Muskelaufbau und der sexuellen Gesundheit für Männer werben, oft zusammen mit Asparaginsäure oder Tribulus.

Bor ist nach aktueller ernährungsmedizinischer Einschätzung kein essentieller (lebenswichtiger) Nährstoff. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sieht keinen Nutzen in einer Ergänzung mit Bor. Es gibt keine zugelassenen Werbeaussagen für Bor.

Die Annahme, dass eine erhöhte Bor-Aufnahme vor einem Prostatakarzinom schützt, ergibt sich aus Studien, die nicht aussagekräftig genug sind, um eindeutige Schlüsse daraus ziehen zu können. Bei den Gelenkbeschwerden, die in Zusammenhang mit einer Bor-Aufnahme gebracht werden, fehlen eindeutige wissenschaftliche Belege. In wenigen, nicht aussagekräftigen Studien wurde die Borsäure-Verbindung, Calcium-Fructo-Borat, mit der Verbesserung der Knochendichte bei Osteoporose in Verbindung gebracht. Auch hier sind mögliche hormonbeeinflussende Wirkungen nur ansatzweise bekannt, sodass erheblicher Forschungsbedarf besteht. Diese Borverbindung ist für Lebensmittel (incl. Nahrungsergänzungsmittel) allerdings nicht zugelassen.

Meist beziehen sich die untersuchten positiven Wirkungen von Bor auf Tier- oder Zellversuche oder stammen aus kleineren Studien. Verlässliche Ergebnisse aus wissenschaftlich fundierten Studien fehlen somit.

Auf was sollte ich bei der Verwendung von Bor-Produkten achten?

In Nahrungsergänzungsmitteln sind EU-weit überhaupt nur zwei Bor-Verbindungen zugelassen: Borsäure und Natriumborat.

Die folgenden Verbindungen sind in Europa nicht zugelassen und dürfen in Lebensmitteln nicht verwendet werden: Calcium-Fructo-Borat, Borcitrat, Bor-Aspartat, elementares Bor, Natriumtetraborat, Boron (als Boron Citrat, Boron Aspartat und Boron Glycinat Komplex). Es ist unklar, inwieweit die Studienergebnisse auf hier zugelassene Borverbindungen übertragbar sind. Aus dem Ausland importierte Nahrungsergänzungsmittel mit diesen Inhaltsstoffen können vom Zoll  zurückgehalten werden.

Das Bundesamt für Risikobewertung schätzt, dass die tägliche Aufnahme von 1 Milligramm Bor über Nahrungsergänzungsmittel nicht gesundheitsschädlich sein dürfte. Allerdings kann bei einer höheren Ergänzung ein Gesundheitsrisiko nicht ausgeschlossen werden. Bei einigen marktüblichen Produkten liegt die empfohlene tägliche Verzehrmenge bereits bei durchschnittlich 3 Milligramm.

  • Bor als Nahrungsergänzungsmittel kann nicht empfohlen werden, da Nutzen und Risiken bislang unzureichend erforscht sind.
  • Wer es verwenden möchte, sollte nur Produkte mit Borsäure oder Natriumborat verwenden und eine Tagesdosis von 1 mg nicht überschreiten.
  • Kinder und Jugendliche sollten kein Bor nehmen.

Das Bor reichert sich im Körper an und wird nur langsam über die Nieren ausgeschieden. Daher kann es bei einer andauernden und hohen Aufnahme zu einer chronischen Vergiftung kommen. Bei zu hoher Aufnahme von Borverbindungen können Symptome wie Übelkeit und Erbrechen auftreten bis hin zu Schädigungen des Zentralnervensystems und der Nieren. Es gibt Hinweise, dass Bor in hohen Mengen die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigt. Beim derzeitigen Wissenstand gehören Kinder, Schwangere, Stillende, Frauen in den Wechseljahren in der Hormonbehandlung sowie Männer zu einer besonderen Risikogruppe.

Wofür braucht der Körper Bor?

Das Halbmetall Bor zählt zu den Ultraspurenelementen. Der tägliche Bedarf ist geringer als 1 Milligramm (mg).

Während Borverbindungen für das Wachstum von Pflanzen notwendig sind, liegen für den Menschen keine eindeutigen Beweise für eine physiologische Funktion vor. Ob und inwieweit Bor notwendig für den Menschen ist, ist noch nicht eindeutig geklärt. Mangelzustände sind bislang nicht bekannt.

Kann ich meinen Tagesbedarf über die Nahrung decken?

Unser Tipp:
Obst und Gemüse, Getreideprodukte wie Brot und besonders Nüsse, Trockenobst oder Blattgemüse enthalten viel Bor. Eine weitere Ergänzung erscheint nach derzeitigem Wissensstand nicht empfehlenswert.

Da Bor nicht als essentieller Nährstoff angesehen, gibt es auch keine Empfehlungen, wie viel Bor pro Tag über die Nahrung aufgenommen werden sollte. Schätzungen zufolge werden bei einer üblichen Ernährung täglich zwischen 1–3 Milligramm Bor aufgenommen.

Bor kommt vorwiegend in pflanzlichen Lebensmitteln, Trinkwasser (0,1 bis 0,3 mg Bor pro Liter) und Mineralwasser (im Durchschnitt 0,75 mg pro Liter) vor. Neben Gemüse und Obst (0,2-0,4 g / 100g) sind Trockenpflaumen (2,7 g / 100 g), Nüsse (1,4 g / 100 g), Getreideprodukte sowie Wein und Bier verhältnismäßig reich an Bor, während tierische Lebensmittel kaum Bor enthalten. Daher nehmen Menschen, die sich vegan oder vegetarisch ernähren, höhere Mengen Bor auf.

Außerdem sind Borsäure (E 284) und Natriumtetraborat (E 285) als Konservierungsmittel, aber nur für echten Kaviar, zugelassen.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist allerdings der Auffassung, dass Erwachsene nicht mehr als 10 Milligramm Bor pro Tag aus allen Quellen aufnehmen sollten. Allein über die Nahrung wird diese Menge in der Regel nicht erreicht.

Neben Lebensmitteln kommen als weitere Quellen der Boraufnahme Nahrungsergänzungsmittel, Arzneimittel, Kosmetika und Spielzeuge (Hüpfknete, Glibbermasse) in Betracht.

Quellen:


Richtlinie 2002/46/EG in der Fassung vom 26.07.2016

BfR (2005): Zusatz von Borsäure oder Borax in Nahrungsergänzungsmitteln. Abgerufen am 31.05.2019

BfR (2006): Höchstmengen für Bor und Fluorid in natürlichen Mineralwässern sollten sich an Trinkwasserregelungen orientieren. Abgerufen am 31.05.2019

Efsa (2013): Scientific Opinion on the re-evaluation of boric acid (E 284) and sodium tetraborate (borax) (E 285) as food additives. Abgerufen am 31.05.2019

Medizin-Transparent (2016): Borax: das gesundheitsschädliche Heilmittel. Abgerufen am 31.05.2019

Häschke, D., Stahlmann, R.: Wunderwaffe Bor? Abgerufen am 31.05.2019

Heseker, H. et.al. (2016): Bor. Ernährungs Umschau (11): M654

Gröber, U.; Kisters, K (2015): Das Ultraspurenelement Bor. OM-Zs. F. Orthomol.Med. (4): 9-15. Abgerufen am 25.02.2019

Weißenborn, A. et al (2018): Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln, in: J Consum Prot Food Saf (2018) 13:25–39. Abgerufen am 23.04.2019

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