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Kürbiskernkapseln - Machen sie eine schwache Blase wieder stark?

Stand:

Kürbiskernprodukte werden zur Stärkung der Blase angeboten – ob sie tatsächlich wirken, müssen Anbieter nicht nachweisen.

Das Wichtigste in Kürze:
Wirkung nicht bewiesen!

  • Die Wirksamkeit von Kürbiskern­kapseln als Nahrungs­ergänzungs­mittel ist wissenschaftlich nicht belegt.
  • Wer Beschwerden beim Wasser­lassen hat, sollte sie vom Hausarzt oder Urologen abklären lassen.
  • Wer trotzdem versuchen will, die Blase zu stärken, kann täglich zwei bis drei Esslöffel Kürbiskerne über mehrere Monate verzehren.
Blasenschwäche?
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Was steckt hinter der Werbung zu Kürbiskernkapseln?

Kürbiskerne und auch -extrakte werden in der Naturheilkunde zur Behandlung von Blasenschwäche und auch Prostata­leiden empfohlen. Verschiedene Kürbiskern­produkte werden daher auch als Nahrungs­ergänzungs­mittel zur Gesund­erhaltung oder Stärkung der Blase angeboten. Diese Produkte werben oft mit wohlklingenden Angaben wie: "Unterstützt eine gesunde Blasenfunktion und das Blasen-Beckenboden-System" oder "können den Harnfluss verbessern und häufigen (nächtlichen) Harndrang vermindern". Allerdings stützen sie sich in der Regel nicht auf wissenschaftliche Studien mit dem Produkt, sondern auf völlig andere, hier gar nicht relevante Untersuchungen.

Kürbiskern­kapseln sollen Beschwerden wie schmerzhaftes Wasserlassen, häufig auch nächtlichen Harndrang, verlangsamte Blasen­entleerung oder Restharn­bildung lindern helfen. Dies sind die Symptome einer Reizblase, die auch nervöse oder überaktive Blase genannt wird.

Es gibt traditionelle Arzneimittel aus den Samen eines speziellen Kürbisses, die ausschließlich aufgrund langjähriger Anwendung und Erfahrung registriert werden konnten und somit eine gewisse Wirksamkeit annehmen lassen. Auch wenn mit einem ganz bestimmten pflanzlichen Arzneimittel mit einem definierten Extrakt im Vergleich zu Placebo-Versuchen leicht bessere Ergebnisse erzielt wurden, ist damit die Wirksamkeit im normalen Arzneimittel­sinn wissenschaftlich noch nicht ausreichend und eindeutig belegt.

Für Nahrungs­ergänzungs­mittel mit Kürbis­kernen gibt es solche Definitionen nicht. Aufgrund der unterschiedlichen Kürbiskern-Rohstoffe und Herstellungs­verfahren können sie sich in ihrer Zusammen­setzung stark unterscheiden. Und: Die Studienergebnisse für ein konkretes pflanzliches Arzneimittel lassen sich nicht einfach auf ein Nahrungs­ergänzungs­mittel übertragen.

Die hier angesprochenen Kürbiskern­produkte als Nahrungs­ergänzungs­mittel unterliegen dem Lebensmittel­recht und benötigen keine Zulassung. Die Hersteller müssen keine Nachweise für eine Wirkung erbringen.

Auf was sollte ich bei der Verwendung von Nahrungs­ergänzungs­mitteln mit Kürbiskern­extrakt achten?

Nahrungsergänzungsmittel mit Kürbissamen enthalten diese meist in Form von Kürbiskernpulver oder -öl oder auch Samenextrakten erhältlich. Es werden aber auch Konzentrate aus dem Fruchtfleisch verwendet. Über die Kürbissorte oder die Herkunft der Kürbissamen wird meist geschwiegen. Die auf der Verpackung genannten Verzehrempfehlungen sollten nicht überschritten werden. Sind zusätzliche Vitamine oder Mineralstoffe (z.B. Selen) enthalten und werden gleichzeitig weitere Nahrungsergänzungsmittel mit diesen Nährstoffen verwendet, kann es unter Umständen zu hohen, gesundheitlich problematischen Zufuhrmengen kommen. Werden weitere Nahrungsergänzungsmittel genommen, sollte die zusätzliche Verwendung mit Arzt oder Apotheker besprochen werden.

Bei echten Blasenproblemen nicht versuchen, diese selber zu therapieren, sondern unbedingt Rücksprache mit dem Arzt halten.

Welche Inhaltsstoffe sind in Kürbiskernkapseln enthalten?

In der traditionellen Pflanzenheilkunde (und in traditionellen Arzneimitteln) werden die reifen, getrockneten Samen (Cucurbitae semen) von Kürbis oder auch das Öl daraus verwendet, vor allem die Samen von Spezialzüchtungen: (Cucurbita pepo L.). Dieser wird vorwiegend in Österreich, Ungarn und Slowenien angebaut. Auf Arzneimitteln wird der genaue Extrakt genannt.

In Nahrungsergänzungsmitteln sollen vor allem sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe aus den Kürbiskernen wie Lignane, Vitamin E oder auch die Linolsäure aus dem Öl auf die Blasenmuskeln einwirken und sie kräftigen. Somit soll der Harnfluss erleichtert und die Beschwerden einer Reizblase gelindert werden. Auch die in Kürbiskernen enthaltenen pflanzlichen Sterine wie Beta-Sitosterol sollen zur Stärkung des urologischen Stoffwechsels beitragen. Darüber hinaus enthalten Kürbiskerne Antioxidantien wie Beta-Carotin sowie Magnesium, Eisen, Zink und Selen. Die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe variiert allerdings je nach Kürbisart und Anbaugebiet. Belege gibt es dafür allerdings nicht, so dass sich Wirkaussagen wie "schützt die Zellen der Blase vor oxidativem Stress" auf zugesetzte Vitamine oder Mineralstoffe beziehen.

In Nahrungs­ergänzungs­mitteln für die Blase sind Kürbiskern­extrakte allein oder in Kombination mit anderen Pflanzen­zutaten beispielsweise aus der Cranberry, Hibiskus oder der Sägepalme (Sabal) enthalten. Vielfach werden Kombinationen mit Vitamin C oder Spurenelementen wie Selen angeboten.

Unser Tipp:

Wer versuchen will, die Blase ohne spezielle Produkte zu stärken, kann täglich zwei bis drei Esslöffel Kürbiskerne verzehren. Ob geröstet oder roh, als Salatgarnitur oder im Müsli, bleibt dabei ganz Ihnen überlassen.

 

Quellen:


European Medicines Agency (2012): Community herbal monograph on Cucurbita pepo L., semen (abgerufen am 20.12.2016)

Nishimura M et al (2014): Pumpkin Seed Oil Extracted From Cucurbita maxima Improves Urinary Disorder in Human Overactive Bladder. In:J Tradit Complement Med 4 (1): 72-4. Doi: 10.4103 / 2225-4110.124355

Steigmeier,Y (2001): Cucurbita pepo L., Pumpkin. Pharmaceutical and Extracts, Nov 1-6 (abgerufen am 20.12.2016)

Töchterle S (2009): Empirische Untersuchung zur Einstellung und Präferenz zu steirischem Kürbiskernöl in unterschiedlichen Konsumentengruppen Diplomarbeit, Universität Wien (abgerufen am 20.12.2016)

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