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Die Dosis macht das Gift

Stand:

Mikronährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe sind für den Körper lebenswichtig. Zu viel davon kann jedoch gefährlich werden. Tagesdosis nicht überschreiten.

Das Wichtigste in Kürze:
Auf die Dosis kommt es an

  • Nahrungsergänzungsmittel mit ihren isolierten Nährstoffen können gesundheitsschädlich sein, wenn sie zu hoch dosiert sind oder öfter als empfohlen eingenommen werden.
  • Mit normalen Lebensmitteln (außer Leber) sind zu große Mengen kaum möglich.
  • Es gibt für Nahrungsergänzungsmittel aktuelle risikoorientierte Empfehlungen für die maximale Tagesdosis an Vitaminen und Mineralstoffen bzw. Spurenelementen. Produkte, die sich daran orientieren, sind für Personen ab 15 Jahren sicher. Die Hersteller sind an diese Empfehlungen aber nicht gebunden.
  • Einnahmeempfehlungen auf Verpackungen keinesfalls überschreiten, Mehrfachaufnahmen mit mehreren Produkten, angereicherten Lebensmitteln (z.B. Vitaminsäften) oder Arzneimitteln vermeiden.
Viele unterschiedliche Tabletten auf einem Löffel
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Isolierte Nährstoffe sind schneller überdosiert

Nahrungsergänzungsmittel unterschieden sich von herkömmlichen Lebensmitteln, denn sie enthalten die Nährstoffe wie Vitamine oder Mineralstoffe in konzentrierter isolierter Form. Dadurch sind schneller Überdosierungen möglich.

Bis heute stehen gesetzlich geregelte Höchstmengen für Mikronährstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln aus.

Wieviel ist zu viel?

Nach 2004 hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) auf Basis des derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstandes Anfang 2018 erneut Vorschläge für Vitamin- und Mineralstoffhöchstmengen in Nahrungsergänzungsmitteln erarbeitet. Produkte, die diese Empfehlungen einhalten und entsprechend den Herstelleranweisungen eingenommen werden, sind für Personen ab 15 Jahren sicher. Diese Empfehlungen sind rechtlich nicht verbindlich, die Hersteller müssen sich also nicht daran halten. Sie helfen Verbrauchern aber beim sicheren Einkauf.

Diese Werte mögen recht niedrig erscheinen im Vergleich zu dem, was im Handel erhältlich ist. Sie berücksichtigen aber die Versorgungslage in Deutschland - wir nehmen Nährstoffe ja auch über Lebensmittel zu uns - und vor allem das Risiko, das von einzelnen Stoffen bei einer zu hohen Zufuhr ausgeht. Wenn ein Arzt aus therapeutischen Gründen höhere Mengen empfiehlt, sind diese natürlich zu berücksichtigen.
 

BfR-Empfehlungen für Nahrungsergänzungsmittel für Erwachsene (2018):

Vitamine maximale Tagesdosis
A 200 Mikrogramm (µg)
C 250 mg
D 20 µg
E (Tocopherol) 30 mg
K5 80 µg
B1 (Thiamin) nicht erforderlich
B2 (Riboflavin) nicht erforderlich
Niacin4 160 mg/Schwangere 16 mg
B6 (Pyridoxin) 3,5 mg
Folsäure 200 µg / Schwangere3 400 µg
Pantothensäure nicht erforderlich
Biotin nicht erforderlich
B12 (Cobalamin) 25 µg

3 Bereits bei Kinderwunsch Menge wie für Schwangere empfohlen
4 Bei Verwendung von Nikotinsäure 4 mg
5 Bei Einnahme gerinnungshemmender Medikamente Verzehr nur nach Absprache mit dem Arzt

 

Vitamin D nimmt eine Sonderstellung unter den Vitaminen ein, denn es kann vom Körper mit Hilfe von Tageslicht in der Regel selber gebildet werden. Findet eine solche Bildung (die sogenannte endogene Synthese) nicht statt, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung eine Gesamtzufuhr incl. Lebensmittel von 20 Mikrogramm täglich.

Mineralstoffe maximale Tagesdosis
Bor 0,5 mg1 (für Kinder und Jugendliche nicht geeignet)
Calcium6 500 mg
Chlorid 0 mg
Chrom 60 µg
Eisen 6 mg2
Fluorid 0 mg
Jod 100 µg / Schwangere 150 µg
Kalium 500 mg
Kupfer 1 µg1
Magnesium7 250 mg
Mangan 0,5 mg
Molybdän 80 µg
Natrium 0 mg
Phosphat 0 mg
Selen 45 µg
Zink8 6,5 mg

1 für Kinder und Jugendliche nicht geeignet
2 Frauen nach der Menopause, Schwangere und Männer nur nach Rücksprache mit dem Arzt
6 Hinweis bei NEM mit mehr als 250 mg/Tagesdosis: Auf Einnahme weiterer Calcium haltiger NEM sollte verzichtet werden.
7 Einnahme der empfohlenen Tageshöchstmenge auf zwei oder mehr Portionen empfohlen
8 Hinweis auf NEM mit mehr als 3,5 mg/Tagesdosis: Auf Einnahme weiterer Zink haltiger NEM sollte verzichtet werden

 

Für alle anderen Stoffe gibt es bisher keine Empfehlungen. Die Datenlage ist zu ungenügend, um abzuschätzen, wie viel Antioxidantien, Polyphenole, Carotinoide etc. sicher sind.

Was kann ich selber tun?

  • Achten Sie beim Produkteinkauf darauf, dass die vom BfR empfohlenen Dosierungen für Nahrungsergänzungsmittel nicht überschritten werden.
  • Nicht mehr als die angegebene Tagesdosis nehmen. Besonders wichtig ist das bei Produkten für Kinder, die ohnehin nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt gegeben werden sollten.
  • Nehmen Sie Warnhinweise (z.B. zur Rücksprache mit dem Arzt) ernst.
  • Nicht mehrere Produkte mit den gleichen Inhaltsstoffen kombinieren. Nicht noch zusätzlich mit Vitaminen und Mineralstoffen angereicherte Lebensmittel wie Multivitaminsäfte oder Joghurts essen.
  • Auch frei verkäufliche Arzneimittel oder Medizinprodukte können zusätzlich Vitamine oder Mineralstoffe enthalten, achten Sie auf die Verpackungsangaben.

Wo gibt es am ehesten Probleme?

Zu hohe Mengen an Nährstoffen (Überdosierung) können sich ungünstig auf den Körper auswirken, wobei das teilweise auch von den Lebensumständen/Umweltbedingungen abhängig ist.

So ist beispielsweise lange bekannt, dass zusätzliche Gaben von Beta-Carotin bei Rauchern die Entstehung von Lungenkrebs begünstigen können. Da viele Erfrischungsgetränke mit Beta-Carotin angereichert und Lebensmittel damit gefärbt (E 160) sind, empfiehlt das BfR derzeit, in Nahrungsergänzungsmitteln kein Betacarotin zu verwenden.

Nehmen Schwangere in den ersten Wochen zu viel Vitamin A (auch über Lebensmittel wie Leber) zu sich, kann das Kind in seiner Entwicklung gestört werden.

Auch von Produkten mit hoch dosierten Antioxidantien (z. B. Vitamine D, E, Selen) zum Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs ist abzuraten.

Bestimmte Spurenelemente wie Eisen sollten wegen der Risiken, die eine unkontrollierte Aufnahme nach sich ziehen kann, von Schwangeren, Frauen nach der Menopause und Männern nur bei nachgewiesenem Mangel und nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden. Frauen vor der Menopause sollten die Höchstmengenempfehlung von 6 mg pro Tag ohne ärztlichen Rat nicht überschreiten.

Ein Zuviel an einzelnen Nährstoffen kann außerdem die Aufnahme anderer Nährstoffe behindern, z. B. Zink und Eisen, Pflanzensterine und fettlösliche Vitamine (A, D, E, K).

Was die Lebensmittelüberwachung so gefunden hat…

Die Auswertung der Ergebnisse der Lebensmittel­kontrollen zeigt, dass problematische Überdosierungen am ehesten bei Produkten aus den USA vorkommen. Besonders häufig sind zu große Mengen an Vitamin B6, Nikotinsäure (Niacin), Vitamin D, Vitamin B12 und Vitamin E sowie bei den Spurenelementen Zink, Selen und Kupfer.

Natürlicherweise überdosiert können bestimmte Algenprodukte sein, die gefährlich hohe Gehalte an Jod aufweisen können.

 

Quellen:


Weißenborn A. et al.: Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. J Consum Prot Food Saf (2018). Online publiziert am 04.01.2018

Hahn A. et al. (2016): Ernährung - Physiologische Grundlagen, Prävention, Therapie. 3., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage 2016, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, S. 290-313

 

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