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Wenn der Arzt zur Nahrungsergänzung rät

Stand:

Ihr Arzt, Ihre Ärztin empfiehlt Ihnen ein Nahrungsergänzungsmittel. Das sollten Sie dazu wissen.

Das Wichtigste in Kürze:
Auf Infos kommt es an!

  • Nahrungsergänzungsmittel sind nützlich, wenn die Nährstoffe aus dem Essen nicht ausreichen. Aber es müssen auch die passenden Nährstoffe enthalten sein. Ob das in Ihrem Fall gilt, müssen Sie klären.
  • Nahrungsergänzungsmittel, die vom Arzt empfohlen werden, sind nicht immer sinnvoll.
  • Es handelt sich bei Nahrungsergänzungsmitteln um Lebensmittel, die nicht zur Linderung oder Heilung von Krankheiten gedacht sind.
  • Vorsicht, wenn vom Arzt ein ganz bestimmtes Produkt und nicht nur ein Nährstoff oder eine Nährstoffkombination empfohlen wird.
Arzt Beratung Nahrungsergänzungsmittel
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Nahrungsergänzungsmittel vom Arzt?

Es kommt häufiger vor, dass während eines Arztbesuchs zusätzliche Leistungen (sogenannte individuelle Gesundheitsleistungen, kurz Igel) angeboten werden, die Sie selber zahlen müssen. Ebenso werden immer häufiger Nahrungsergänzungsmittel angeraten und ggf. sogar als Pröbchen abgegeben.

Wichtig zu wissen:
Zwar kann der Arzt einen Mangel an Vitaminen erkennen und Empfehlungen zur Ernährung bzw. deren Ergänzung durch ein Nahrungsergänzungsmittel geben, doch der Handel und somit der Verkauf oder die Vermittlung von Nahrungsergänzungsmitteln ist ihm in seiner Praxis während der Sprechzeiten grundsätzlich nicht gestattet. Wohl gibt es aber Ärzte, die außerhalb der Sprechzeiten Produkte verkaufen oder als Vertriebspartner tätig sind.

Diese Fragen sollten Sie stellen

Wenn Ihr Arzt Ihnen zu einer Nahrungsergänzung rät, sollten Sie ihm folgende Fragen stellen:

  • Was kann ich mit der Einnahme des Nahrungsergänzungsmittels erreichen, liegt tatsächlich eine Unterversorgung vor? Wurde ein Mangel (= Krankheit) festgestellt, sollte kein Nahrungsergänzungsmittel, sondern ein Arzneimittel schnell Abhilfe verschaffen.
     
  • Kann ich das auch mit einer Änderung meiner Ernährung schaffen, wäre eventuell eine spezielle Ernährungsberatung hilfreich? Könnte er eine solche verschreiben?
     
  • Was empfiehlt er genau, welche Zutaten sollten enthalten sein?
     
  • Worauf muss ich achten, was darf nicht drin sein?
     
  • Ist eine bestimmte Dosierung bzw. welche Dosierung wichtig?
     
  • Sollte es eine bestimmte Vitamin- oder Mineralstoffverbindung sein (z.B. wegen besserer Bioverfügbarkeit)?
     
  • Gibt es eventuell Nebenwirkungen/Unverträglichkeiten?
     
  • Ist es egal, ob es sich um ein Nahrungsergänzungsmittel, eine ergänzende bilanzierte Diät oder ein frei verkäufliches Arzneimittel handelt? Die Unterscheidungskriterien finden Sie hier.
     
  • Wo bekomme ich ein solches Nahrungsergänzungsmittel?
     
  • Was kostet mich das?

Ein Pröbchen ist (k)eine Kaufempfehlung

In letzter Zeit kommt es häufiger vor, dass Ärzte auch Proben von Nahrungsergänzungsmitteln an ihre Patienten abgeben. In der Regel handelt es sich dabei um hochpreisige Produkte, denn nur wenige Nahrungsergänzungsmittelhersteller leisten sich Vertreter, die Arztpraxen besuchen. Wenn Sie eine solche Probe bekommen haben, denken Sie daran: Es handelt sich nicht um ein Arzneimittel, sondern um ein Lebensmittel. Das Produkt ist auch nicht dafür gedacht, damit eine Krankheit zu lindern oder zu heilen. Der einmalige Verzehr eines Nahrungsergänzungsmittels leistet auch keinen wirklichen Beitrag zur Verbesserung der Nährstoffversorgung. Wenn Sie überhaupt eine Wirkung spüren, dürfte es sich nur um einen Placebo-Effekt handeln.

Möchten Sie trotzdem gerne ein solches Nahrungsergänzungsmittel nehmen, fragen Sie, welches die entscheidenden Zutaten sind und ob es auch andere (preisgünstigere) Produkte damit gibt. Oft ist hier nicht der Arzt, sondern ein Apotheker oder ggf. auch ein Drogist der bessere Ansprechpartner.

Seien Sie misstrauisch, wenn….

Vorsicht, wenn es nur ein einziges geeignetes Nahrungsergänzungsmittel geben soll, oder Sie es nur direkt in der Praxis/Klinik/Reformhaus XY kaufen können. Lassen Sie sich die genauen Inhaltsstoffe (Zutaten) nennen, erbitten Sie sich Bedenkzeit und sprechen Sie mit einem Apotheker Ihres Vertrauens, ob es wirklich keine (preisgünstigeren) Alternativen gibt. Zusätzlich können Sie sich auch an die Patientenberatung Ihrer Ärztekammer oder Krankenkasse wenden.

Diese Fragen sollten Sie stellen, wenn Ihnen Ihr Arzt nicht nur bestimmte Nährstoffe sondern ein ganz bestimmtes Produkt empfohlen hat.

  • Fragen Sie Ihren Apotheker, was gerade dieses Nahrungsergänzungsmittel auszeichnet.
  • Klären Sie, ob es ebenso zusammengesetzte (preisgünstigere) Alternativprodukte (anderer Firmen) gibt.
  • Besprechen Sie mit ihm Vor- und Nachteile der einzelnen Produkte.
  • Lassen Sie klären, ob es ggf. Wechselwirkungen mit Ihren Medikamenten gibt.
  • Bitten Sie ggf. den Apotheker mit dem Arzt zu telefonieren, um endgültige Sicherheit zu haben
  • Lassen Sie sich genau erklären, wann, wie und wie lange Sie die Produkte verzehren sollen.

Vorsicht auch, wenn Ihr Arzt, Ihre Ärztin behauptet, dass unsere Böden und Lebensmittel arm an Vitaminen und Mineralstoffen seien. Diese Aussage stimmt nicht, wie entsprechende Untersuchungen gezeigt haben. Behauptungen, dass wir deswegen unbedingt zusätzliche Nährstoffe benötigen, sind sogar verboten.

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