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Niacin - warum ergänzen?

Stand:

In Nahrungsergänzungsmitteln ist Niacin (Vitamin B3) häufig zu finden - teilweise in sehr hoher Dosierung.

Das Wichtigste in Kürze:
Aud die Dosis kommt es an!

  • Niacin wird für zahlreiche Stoffwechselvorgänge im Körper benötigt.
  • Ein Niacin-Mangel ist bei gesunden Personen, die sich abwechslungsreich ernähren, selten
  • Achtung: Zu hohe Dosierungen können zu Hautrötungen, Hitzegefühl, Durchfall, Erbrechen und sogar Leberschädigungen führen
Niacin (Vitamin B3)
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Was steckt hinter der Werbung zu Niacin?

Niacin soll laut Werbung die Gesundheit des Herzen unterstützen, die mentale Energie, Motivation, gute Laune und Konzentration fördern sowie für gesunde, schöne Haut und Haare sorgen. Doch die meisten dieser Werbeversprechen sind wissenschaftlich nicht gesichert.

Von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit sind folgende gesundheitsbezogene Angaben zugelassen:

  • Niacin trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei
  • Niacin trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei
  • Niacin trägt zur normalen psychischen Funktion bei
  • Niacin trägt zur Erhaltung normaler Schleimhäute bei
  • Niacin trägt zur Erhaltung normaler Haut bei
  • Niacin trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei

Die Zufuhrmenge wird bei der in Deutschland üblichen Ernährung erreicht bzw. überschritten und eine zusätzliche Ergänzung bringt in der Regel keine gesundheitlichen Vorteile.

Nicotinsäure wird auch zur Behandlung bestimmter Störungen des Fettstoffwechsels eingesetzt. Dabei handelt es sich aber um Medikamente, nicht um Nahrungsergänzungsmittel, und die therapeutische Einnahme solcher Medikamente sollte von einem Arzt begleitet sein. Einige - meist im Internet angepriesene - Produkte sollen in Form einer Kur über sechs Wochen eingesetzt werden, um den Körper zu reinigen. Für gesundheitliche Vorteile einer solchen Kur gibt es allerdings keine wissenschaftlichen Anhaltspunkte. Im Gegenteil: Die für eine Kur empfohlene Tagesdosis zwischen 100 mg und 5000 mg Nicotinsäure stellt nach Auffassung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ein gesundheitliches Risiko dar.

Worauf sollte ich bei der Verwendung von Niacin achten?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt als Tageshöchstmenge aus Nahrungsergänzungsmitteln für Nicotinsäure 4 mg und für Nicotinamid 160 mg. Zusätzlich empfiehlt das BfR, dass Nahrungsergänzungsmittel mit mehr als 16 mg/Tag Nicotinamid einen Hinweis tragen sollten, dass das Produkt für Schwangere nicht geeignet ist.

Zu hohe Dosierungen von Nicotinsäure (Tagesdosen von über 30 mg) können zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Häufige Überdosierungserscheinungen sind sogenannte "Flush Symptome". Dazu gehören Hautrötungen, Hitzegefühl sowie Nesselsucht mit stark juckenden Quaddeln.

Bei sehr hohen Dosierungen von mehreren Gramm Nicotinsäure kann es zu Durchfall, Übelkeit und Erbrechen kommen. Langfristige Folgen sind im schlimmsten Fall sogar Gelbsucht, die Schädigung der Leber oder Probleme mit dem Glukose-Stoffwechsel. Deshalb sollte laut Europäischer Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Gesamtzufuhr an Nicotinsäure 10 mg täglich nicht überschreiten. Herkömmliche Lebensmittel mit natürlichem Vitamin B3-Gehalt bringen keine unerwünschten Wirkungen mit sich.

Problematisch sind auch Wechselwirkungen mit Medikamenten (z.B. mit oralen Antidiabetika oder gerinnungshemmenden Arzneimitteln). Daher sollten Sie bei Einnahme von Medikamenten die Verwendung von niacinhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln immer zuvor mit Ihrem Arzt absprechen.

Wofür braucht der Körper Niacin?

Niacin (auch Vitamin B3 genannt) umfasst verschiedene wasserlösliche Verbindungen mit ähnlicher chemischer Struktur, darunter Nicotinsäure und Nicotinamid. Der Körper kann Niacin aus der Aminosäure Tryptophan, einem Eiweißbaustein, selbst bilden.

Niacin ist für viele Vorgänge im Körper unerlässlich. Neben dem Auf- und Abbau von Kohlenhydraten, Aminosäuren und Fettsäuren ist Niacin ebenfalls an der Zellteilung und der Signalweiterleitung beteiligt. Auch für die Funktion des Immunsystems spielt Niacin eine Rolle.

Kann ich meinen Tagesbedarf an Niacin über die Nahrung decken?

Obwohl Niacin vom menschlichen Körper selbst produziert werden kann, muss das Vitamin für die Deckung des Tagesbedarfes mit der Nahrung aufgenommen werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine tägliche Zufuhr von 11-17 mg Niacin-Äquivalenten. Das umfasst neben Niacin selbst auch Verbindungen wie Tryptophan, die der Körper in der Leber zu Niacin umwandeln kann.

Reich an Niacin sind Fisch (z.B. Thunfisch, Lachs) und Fleisch (Rind-, Kalb- und Schweinefleisch, Geflügel). Aber auch pflanzliche Lebensmittel wie Erdnüsse und Pilze stellen wertvolle Lieferanten dar. In Deutschland trägt speziell der Konsum von Kaffee und Brot zur Versorgung bei.

Die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlene tägliche Zufuhr an Niacin wird in der Regel erreicht und sogar überschritten. Ein Niacin-Mangel kommt in Deutschland eigentlich nur als Folge von Krankheiten wie Alkoholismus, Magersucht, chronischer Durchfall oder Leberzirrhose vor. Eine Nahrungsergänzung ist deshalb meist unnötig.

Niacin ist in Lebensmitteln relativ unempfindlich gegenüber Hitze und längerer Lagerung. Da das Vitamin jedoch beim Kochen ins Wasser übergeht, empfehlen wir, das Kochwasser weiterzuverwenden.

Diese Vitaminverbindungen sind gemäß EU-Richtlinie 2002/46/EG, Anhang II (Fassung vom 13.3.2015) für Niacin in Deutschland und anderen EU-Ländern in Nahrungsergänzungsmitteln zugelassen:

  • Nicotinsäure
  • Nicotinamid
  • Inosithexanicotinat (Inositolniacinat)

 

Quellen:


Weißenborn A. et al.: Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. J Consum Prot Food Saf (2018). Online publiziert am 04.01.2018

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) / Die Einnahme von Nicotinsäure in überhöhter Dosierung kann die Gesundheit schädigen. Stellungnahme Nr. 018/2012 des BfR vom 06. Februar 2012. Zugriff 26.04.2017

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Ausgewählte Fragen und Antworten zu Niacin. Zugriff 26.04.2017

Hahn, A./Ströhle, A./Wolters, M. Ernährung. Physiologische Grundlagen, Prävention, Therapie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2. Auflage (2006)

Max-Rubner-Institut. Nationale Verzehrsstudie II. Ergebnisbericht, Teil 2. (2008) Zugriff 14.05.2017

EFSA. Scientific opinion for dietary reference value on Niacin. EFSA Journal 2014 (12)7:3759 Zugriff 02.06.2017

 

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