Menü

Schöne Haare durch Kieselerde?

Stand:

Kieselerde verspricht schöne Haut, Haare und Nägel. Was kann das traditionelle Produkt?

Das Wichtigste in Kürze:
Wirkung nicht bewiesen!

  • Kieselerde soll Nägel, Haare und Bindegewebe stärken.
  • Diese Angaben sind bisher allerdings wissenschaftlich nicht hinreichend gesichert und beruhen lediglich auf Überlieferung und langjähriger Erfahrung.
  • Einige Produkte können gesundheitlich bedenkliche Mengen an Blei enthalten.
Kieselerde
On

Was steckt hinter der Werbung zu Kieselerde?

Kieselerde wird nachgesagt, brüchigen Nägeln und Haaren vorzubeugen sowie zur Kräftigung des Bindegewebes beizutragen. Die Wirksamkeit ist wissenschaftlich jedoch nicht ausreichend belegt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit bewertet die Versprechen zur Wirkung als "nicht hinreichend gesichert". Daher dürfen Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln für diese angeblichen Wirkungen ihrer Produkte nicht werben.

Anders sieht es aus, wenn Kieselerde als traditionelles Arzneimittel verkauft wird. Diese Produkte dürfen  mit folgendem Text vermarktet werden: "Traditionell angewendet zur Vorbeugung von brüchigen Fingernägeln und Haaren, zur Kräftigung des Bindegewebes. Diese Angaben beruhen ausschließlich auf Überlieferung und langjähriger Erfahrung."

Was sollte ich bei der Einnahme von Kieselerde bedenken?

In einigen Produkten wurden gesundheitlich bedenkliche Mengen an Blei nachgewiesen. Es ist deshalb verboten, solche Nahrungs­ergänzungsmittel in den Handel zu bringen. Der Höchstgehalt für dieses Schwermetall in Nahrungs­ergänzungsmitteln liegt bei drei Milligramm pro Kilogramm.

Allerdings lassen sich nach Einschätzung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit gesundheitliche Schädigungen für den Menschen nicht sicher ausschließen - so gering der Bleigehalt in einem Produkt auch sein mag. Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel sollten daher so wenig Blei wie möglich enthalten (Minimierungsgebot).

Was ist Kieselerde?

Kieselerde, oder auch Silicea terra, bezeichnet Mineralien oder Meeresablagerungen mit hohem Siliziumgehalt. Als Nahrungs­ergänzungsmittel oder traditionelles Arzneimittel werden sie in Form von Pulvern, Kapseln oder Tabletten verkauft.

Braucht der Körper Kieselerde?

Ein wesentlicher Bestandteil von Kieselerde ist Silizium. Silizium kommt im menschlichen Körper vor allem in Knochen, Zahnschmelz und Bindegewebe vor und wird über die Nahrung (zum Beispiel Wasser, Getreide und Getreideprodukte, Gemüse) aufgenommen. Silizium gilt beim Menschen als nicht-essenzielles Spurenelement. Physiologische Funktionen z. B. im Zusammenhang mit der Elastizität des Bindegewebes oder der Mineralisierung der Knochen werden zwar diskutiert, konnten bisher aber nicht nachgewiesen werden.

Unser Tipp: Mehr als Kieselerde trägt eine gesunde Lebensweise zu schöner Haut, Haaren und Nägeln bei. Bewegen Sie sich regelmäßig und rauchen Sie nicht. Eine ausgewogene Ernährung mit täglich fünf Portionen Obst und Gemüse sowie reichlich Vollkornprodukten versorgt Sie mit allen nötigen Nährstoffen. Silizium steckt außerdem natürlicherweise in vielen Lebensmitteln wie Gerste, Hafer, Kartoffeln, Paprika und Spinat.

Diese Mineralstoffverbindungen sind gemäß EU-Richtlinie 2002/46/EG, Anhang II (Fassung vom 13.3.2015) für Silizium/Kieselerde in Deutschland und anderen EU-Ländern in Nahrungsergänzungsmitteln zugelassen:

  • cholinstabilisierte Orthokieselsäure
  • Siliciumdioxid
  • Kieselsäure (In Gelform (Silicagel))
  • organisches Silicium (Monomethylsilantriol)

 

Quellen:


Unabhängiger Gesundheitsverband (UGB). Brauchen wir eine extra Portion Silicium bzw. Kieselerde?. (abgerufen am: 13.10.2016)

Stellungnahme Nr. 2015/31: Nahrungsergänzungsmittel mit sonstigen Stoffen im Regelungsbereich von NemV, HCV und LMIV. (abgerufen am: 13.10.2016)

European Food Safety Authority. Calcium silicate and silicon dioxi de/silicic acid gel added for nutritional purposes to food supplements. (abgerufen am: 13.10.2016)

Informationsdienst der Chemischen und Veterinär­untersuchungsämter (CVUA) Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg und Sigmaringen sowie des Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamtes (STUA) Aulendorf - Diagnostikzentrum. Schwermetalle und toxische Spurenelemente - Bilanz 2013. (abgerufen am: 12.10.2016)

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Blei in Lebensmitteln - Hintergrundinformationen. (abgerufen am: 12.10.2016)

European Commission. EU Register of nutrition and health claims made on foods. (abgerufen am 23.05.2018)

 

Förderlogo BMJV