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Folsäure-Produkte – wann sind sie nützlich?

Stand:

Folat ist für Zellteilung und Wachstum verantwortlich. Zu Beginn der Schwangerschaft ist eine Nahrungsergänzung sinnvoll.

Das Wichtigste in Kürze:
Auf die Dosis kommt es an!

  • Folat spielt bei der Zellteilung eine wichtige Rolle und ist an vielen Wachstums- und Entwicklungsprozessen im Organismus beteiligt.
  • Die synthetische (industriell hergestellte) Form des Vitamins wird Folsäure genannt.
  • Folat ist einer der wenigen Nährstoffe, mit denen die Menschen in Deutschland nicht optimal versorgt sind.
  • Besonders problematisch ist eine Unterversorgung zu Beginn der Schwangerschaft. Daher sollte bereits vor der Schwangerschaft auf eine sinnvolle Zusammenstellung der Lebensmittel geachtet und zusätzlich Folsäure-Produkte eingenommen werden.
Auf einem Marktstand liegen Gemüse und Salate aus, ein Schild weist auf regionale Hersteller hin.
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Was ist der Unterschied zwischen Folsäure und Folat?

Folat ist der Überbegriff für ein wasserlösliches B-Vitamin, das in Form von verschiedenen Folat-Verbindungen an zahlreichen Wachstums- und Entwicklungsvorgängen im Körper mitwirkt.

Die synthetische Form dieses Vitamins heißt Folsäure. Folsäure ist beständiger gegenüber Hitze, Sauerstoff und Licht als Nahrungsfolat, weshalb es Lebensmitteln industriell zugesetzt wird. Auch kann Folsäure vom Körper besser verwertet werden. Um diese unterschiedlichen Verbindungen vergleichbar zu machen, wird von sogenannten "Folsäure-Äquivalenten" gesprochen.

Ein Mikrogramm Folat-Aquivalent entspricht einem Mikrogramm Nahrungs-Folat bzw. 0,5 Mikrogramm synthetischer Folsäure (bei Einnahme auf nüchternen Magen) oder auch 0,6 Mikrogramm Folsäure (in Kombination mit anderen Lebensmitteln).

Was steckt hinter der Werbung zu Folsäure-Produkten?

Die Werbung suggeriert häufig, dass ein Folat-Mangel in Deutschland weit verbreitet ist. Tatsächlich wird in Deutschland bei einem großen Teil der Erwachsenen die empfohlene Zufuhr von 300 µg Folat-Äquivalenten pro Tag nicht erreicht. Doch eine Unterversorgung bedeutet nicht gleich, dass ein Mangel vorliegt. Ein echter Folat-Mangel konnte in Deutschland nur selten nachgewiesen werden.

Um einer Unterversorgung mit Folat vorzubeugen, wird empfohlen, auf eine ausgewogene Folat reiche Ernährung mit viel Gemüse und Vollkornprodukten zu achten. Vor und zu Beginn der Schwangerschaft ist die Verwendung von Folsäure-Produkten sinnvoll, um keine Entwicklungsschäden beim Fötus zu riskieren.

Neben den Folsäure-Produkten für Schwangere, gibt es in Supermärkten, Drogerien oder Apotheken auch Produkte für das Herz-Kreislaufsystem. Werbeaussagen, wie "trägt zu einer normalen Blutbildung bei", "hat eine Funktion bei der Zellteilung" und "trägt zu einem normalen Homocysteinstoffwechsel bei" sind zwar richtig, das leisten folatreiche Lebensmittel aber auch. Überdies geht es bei diesen Aussagen nur darum, dass normale Funktionen aufrechterhalten werden, nicht um die Behandlung von krankheitsbedingten Veränderungen. Das ist Aufgabe entsprechender Arzneimittel, für die die Hersteller vor der behördlichen Zulassung nicht nur einen Wirknachweis liefern müssen, sondern auch die Sicherheit des Produkts nachzuweisen haben.

Worauf sollte ich bei der zusätzlichen Einnahme von Folsäure achten?

Die regelmäßige Zufuhrmenge von synthetischer Folsäure (aus angereicherten Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln) sollte aus Sicherheitsgründen bei Erwachsenen keinesfalls mehr als 1 mg pro Tag betragen. (Hochdosierte) Folsäuretabletten sollten weiterhin nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt mit Nahrungsergänzungsmitteln nicht mehr als 200 µg Folsäure täglich aufzunehmen. Für Frauen mit Kinderwunsch und in den ersten Schwangerschaftswochen empfiehlt das BfR 400 µg Folsäure pro Tag.

Neben der Unterversorgung von Folat wird auch eine Überversorgung mit Folsäure kritisch gesehen, da schädliche Wirkungen möglich sind. Auch besteht hierbei - vor allem bei älteren Menschen - die Gefahr, dass Symptome eines Vitamin B12-Mangels überdeckt werden. Zwar kann Folsäure die durch einen Vitamin B12-Mangel hervorgerufene Anämie (Blutarmut) beheben, jedoch nicht die bleibenden Nervenschädigungen, die dann oft zu spät festgestellt werden.

Wofür braucht der Körper Folat?

Mithilfe von Folat werden Nukleinsäuren aufgebaut, also die Bausteine der Informationsspeicher der Zellen. In Phasen schnellen Wachstums - beispielsweise während der frühen Kindheit, der Pubertät oder in der Schwangerschaft - sorgt Folat im Körper für Zellteilung und -wachstum. Folat ist somit für jede Körperzelle unentbehrlich, von der Muskel- bis zur Nervenzelle.

Die tägliche Aufnahme sollte nach aktuellen Empfehlungen bei 300 Mikrogramm Folat-Äquivalenten liegen. Es wird jedoch häufig deutlich weniger aufgenommen, wie die Nationale Verzehrsstudie II gezeigt hat.

Die Folgen eines chronischen Folat-Mangels sind Störungen in der Bildung der Blutkörperchen (Anämie). Zudem kann es Probleme bei der DNA-Synthese und infolgedessen bei der Zellteilung geben. Das wiederum führt unter anderem zu Problemen im Verdauungstrakt.

Wichtig für die Schwangerschaft!

Besonders problematisch ist eine Unterversorgung mit Folat in der Schwangerschaft. Schwangere und Stillende haben einen besonders hohen Bedarf an Folat, der über die Nahrung kaum zu decken ist. Ihnen wird eine Zufuhr von 450 µg (Schwangere) bzw. 550 µg (Stillende) empfohlen.

Eine unzureichende Versorgung der werdenden Mutter zu Beginn einer Schwangerschaft - noch bevor sie davon weiß - kann zu schweren Schäden und Missbildungen beim Fötus führen, beispielsweise Neuralrohrdefekten (Spina bifida oder "offener Rücken") sowie Kiefer- und Gaumenspalten. Daher sollten bei Kinderwunsch bereits vier Wochen vor einer Schwangerschaft sowie im ersten Schwangerschaftsdrittel täglich 400 µg Folsäure in Tablettenform eingenommen werden. In den ersten Schwangerschaftsmonaten kann zudem eine Kombination mit Jod sinnvoll sein.

Was bei einer geplanten Schwangerschaft kein Problem ist, lässt sich bei einer ungeplanten nicht umsetzen. Deswegen wird jungen Frauen grundsätzlich eine folatreiche Ernährung angeraten.

Kann ich meinen Tagesbedarf über die Nahrung decken?

Der Tagesbedarf kann bei gesunden, nicht schwangeren Personen durch eine ausgewogene, folatreiche Ernährung gedeckt werden. Folat kommt in tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln vor. Vor allem Blattgemüse (zum Beispiel Spinat und Salat) weist einen hohen Gehalt auf. Gute Quellen sind auch Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Tomaten, Orangen (-saft), Erd- und Himbeeren, Sprossen, Leber, Eier sowie Vollkornprodukte. Folat ist wasserlöslich und sehr hitzeempfindlich. Deshalb ist es ratsam, reichlich Gemüse und Obst zu essen, am besten fünfmal am Tag je eine Hand voll. Wird es zubereitet, sollte möglichst darauf geachtet werden, das Gemüse schonend zu waschen sowie zu dünsten und nicht zu lange warmzuhalten.

Neben dem natürlichen Vorkommen von Folat in Lebensmitteln gibt es eine ganze Menge Lebensmittel, die mit synthetischer Folsäure angereichert sind. Außerdem ist mit Folsäure und Jod angereichertes Speisesalz erhältlich. Eine unkontrollierte Zufuhr von vielen angereicherten Produkten kann aber problematisch sein. Deshalb sollte, wenn überhaupt, am ehesten Salz als zusätzliche Möglichkeit zur Folsäureaufnahme betrachtet werden, da es sich hier um eine leichter überschaubare Zufuhrmenge handelt.

Decken Sie Ihren Folatbedarf mit täglich fünf Portionen (eine Portion = eine Hand voll) Gemüse und Obst.

Wenn Sie schwanger werden wollen, beginnen Sie frühzeitig (mindestens 4 Wochen vor Beginn der Schwangerschaft) mit der Einnahme von Folsäure-Tabletten (400 µg/Tag).

Diese Vitaminverbindungen sind gemäß EU-Richtlinie 2002/46/EG, Anhang II (Fassung vom 13.3.2015) für Folsäure in Deutschland und anderen EU-Ländern in Nahrungsergänzungsmitteln zugelassen:

  • Pteroylmonoglutaminsäure
  • Calcium-L-methylfolat
  • (6S)-5-Methyltetrahydrofolsäure, Glucosaminsalz

 

Quellen:


Weißenborn A. et al.: Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. J Consum Prot Food Saf (2018). Online publiziert am 04.01.2018, abgerufen am 24.05.2018

Europäische Commission: EU Register of nutrition and health claims made on foods, abgerufen am 24.05.18   

Biesalski, H../Bischoff, S./Puchstein/C. (2010): Ernährungsmedizin. Georg Thieme Verlag, Stuttgart/New York

Bundesinstitut für Risikobewertung (2016): Fragen und Antworten zu Folat und Folsäure, abgerufen am 24.05.2018

Bundesinstitut für Risikobewertung (2014): Jod, Folat/Folsäure und Schwangerschaft, abgerufen am 24.05.2018

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (2013): Ausgewählte Fragen und Antworten zu Folat, abgerufen am 24.05.2018

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (2006): Strategien zur Verbesserung der Folatversorgung in Deutschland - Nutzen und Risiken, abgerufen am 24.05.2018

Max-Rubner-Institut (2008): Nationale Verzehrsstudie II. Ergebnisbericht Teil 2. Die bundesweite Befragung zur Ernährung von Jugendlichen und Erwachsenen, abgerufen am 24.05.2018

Schlieper, C. (2010): Grundfragen der Ernährung. Verlag Handwerk und Technik: Hamburg

 

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