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Lebensbedrohliches Sibutramin

Stand:

Sibutramin ist ein seit 2010 weltweit verbotener Arzneistoff. Es findet sich häufig undeklariert in angeblich natürlichen Schlankheitsmitteln.

Das Wichtigste in Kürze:
Achtung, kann der Gesundheit schaden

  • Vor allem in angeblich ganz natürlichen Schlankheits­mitteln – - im Internet angeboten als Nahrungs­ergänzungs­mittel - wird immer wieder das verbotene Sibutramin gefunden. In der Regel wird es nicht als Inhalts­stoff angegeben.
  • Die Produkte können lebens­gefährlich sein.
  • Wenn Sie solche Produkte genommen haben, sollten Sie sich sicherheitshalber an Ihren Arzt wenden.
Medikamente in der Maßband
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Was macht Sibutramin so gefährlich?

Der Arznei­wirkstoff Sibutramin wurde bis 2010 als Appetitzügler (Anorektikum) zur Reduktion von starkem Übergewicht (Adipositas) verwendet. Er war nur in einem einzigen, verschreibungspflichtigen Medikament in Europa zugelassen (Deutscher Markenname: REDUCTIL®). Wegen der erheblichen Risiken wird Sibutramin seit Januar 2010 weltweit offiziell nicht mehr verkauft, die Zulassung ruht.
 

Gefährliche Nebenwirkungen
 

Sibutramin kann sowohl den Blutdruck als auch die Herzfrequenz ("Herzrasen") erheblich erhöhen. Manche Menschen klagen zudem über Mund­trockenheit, Kopf­schmerzen und Verstopfung. Selbst unter ärztlicher Kontrolle (als verschreibungs­pflichtiges Medikament) ist es weltweit zu mindestens 34 Todesfällen in Verbindung mit Sibutramin gekommen.

Außerdem gibt es international eine Reihe von Berichten über (reversible) Gedächtnis­störungen, beeinträchtigtes Erinnerungs­vermögen, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit, Sprach- oder Sehstörungen und Migräne­attacken.

 

Trotzdem finden nicht Kontrolleure weltweit immer wieder Sibutramin in angeblich ganz natürlichen Nahrungs­ergänzungs­mitteln zur Gewichts­reduktion, die übers Internet vertrieben werden. In der Regel geben sich die Produkte ein sehr natürliches Image wie "Pulver chinesischer Pflanzen", "all natural" o.ä. Der Wirkstoff Sibutramin (oder auch Phenolphthalein bzw. Rimonabant) taucht in den Zutatenlisten nicht auf. Man spricht daher auch von gepanschten oder verfälschten Nahrungsergänzungsmitteln.

Besonders kritisch: Die illegal vertriebenen Internet­produkte enthalten oft deutlich mehr Sibutramin als früher in den verschreibungs­pflichtigen Arzneimitteln erlaubt war – das gesundheitliche Risiko ist daher besonders hoch. Unklar ist auch, inwieweit es problematische Wechselwirkungen mit den außerdem enthaltenen "natürlichen" Zutaten gibt.

Die Überwachungsbehörden in den USA und Europa warnen fast täglich vor neuen risikoreichen Nahrungsergänzungsmitteln (Supplements) aus dem Internet. Leider lässt das europäische Schnellwarnsystem RASFF zwar Rückschlüsse auf die Tätigkeit der Überwachungsbehörden zu, nennt aber im öffentlichen Teil keine Produktnamen.

Weitere häufig gefundene verbotene Arzneiwirkstoffe in Schlankheitsmitteln sind das krebserregende Phenolphthalein (früher als Abführmittel verwendet) und das Rimonabant. Für diesen appetit­zügelnden Arznei­wirkstoff ruht die Zulassung - ebenfalls wegen schwerer Nebenwirkungen - bereits seit 2007.

Wie kann ich mich schützen?

  • Besondere Vorsicht ist geboten, wenn es für ein angeblich 100 % natürliches Nahrungsergänzungsmittel (z.B. in Foren) viele Bewertungen gibt, die eine effektive Wirkung bestätigen. Dann liegt der Verdacht nahe, dass das Produkt unzulässige, nicht genannte Zutaten enthält.
     
  • Eine Übersicht über gepanschte Nahrungsergänzungsmittel bietet das Online-Portal Gute Pillen, schlechte Pillen
     
  • Auch das Landeszentrum Gesundheit NRW warnt vor entsprechenden Produkten.
     
  • Ein möglicherweise Sibutramin haltiges Nahrungsergänzungsmittel darf auf gar keinen Fall genommen werden bei nicht oder unzureichend eingestelltem Bluthochdruck, bei Magersucht, bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten aus der Gruppe der so genannten MAO-Hemmer (Antidepressiva) oder von Appetit­züglern.
     
  • Wenn Sie ein solches Schlankheits­mittel aus dem Internet genommen haben und irgendeines der im Kasten beschriebenen Symptome bei sich bemerkt haben, sollten Sie das Produkt sofort absetzen und sich sicherheits­halber an Ihren Arzt wenden.

 

 

Quellen:


arznei-telegramm 33 (4): Sibutramin (Reductil) vom Markt. Zumindest in Italien. 2002, S. 42

European Mediciens Agency: Fragen und Antworten zur Aussetzung der Genehmigung für das Inverkehrbringen von Arzneimitteln, die Sibutramin enthalten. Stand: 06.08.2010

European Medicines Agency: Sibutramine.

arznei-telegramm 41 (2): Endlich: Appetithemmer Sinbutramin (Reductil) vom Markt, 2010, S. 24

BfArM (2017): Sibutraminhaltige Arzneimittel: Umsetzung des Beschlusses der Europäischen Kommission zum Ruhen der Zulassung aufgrund eines erhöhten Risikos kardiovaskulärer Ereignisse. Stand: 29.09.2017

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