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Mit Weihrauch wieder gehen können?

Stand:

Weihrauchextrakt soll bei entzündlichen Gelenkerkrankungen Schmerzen lindern. Ob Nahrungsergänzungsmittel helfen können, ist unklar.

Das Wichtigste in Kürze:
Achtung, kann der Gesunheit schaden!

  • In Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzte Weihrauchwirkstoffe dürfen keine arzneimittelähnliche Wirkung haben und nicht mit Krankheitsbezug beworben werden.
  • Negative Wirkungen von Weihrauchpräparaten auf die Gesundheit sind möglich, auch wurden Verunreinigungen mit Blei gefunden.
  • Menschen mit Erkrankungen sollten Weihrauchpräparate nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt einnehmen; für Kinder sind die Produkte absolut ungeeignet.
Weihrauch
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Was steckt hinter der Werbung zu Weihrauchextrakt?

Weihrauchextrakte werden traditionell für religiöse Zeremonien als Räucherharze verwendet. Sie sollen unter anderem aber auch gegen Gelenk-Entzündungen helfen, desinfizieren und Schmerzen lindern - so lautet jedenfalls die Werbung.

Während Weihrauchextrakte in zahlreichen Tierversuchen getestet wurden, gibt es nur wenige Studien mit Menschen. Diese reichten bisher nicht aus, um auf eine sichere Wirkung bei einer bestimmten Dosierung zu schließen. Ebenso wenig ist bekannt, mit welchen Nebenwirkungen zu rechnen ist. Die Wirkweise ist noch weitgehend unbekannt. Viele Studien weisen Mängel auf, so dass deren Aussagekraft begrenzt ist. Daher sind Weihrauchpräparate bisher nicht als Medikament in Deutschland zugelassen (lediglich als homöopathische Mittel).

Weihrauch ist jedoch als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Verwendet wird das Gummiharz von afrikanischem (Boswellia carterii) oder indischem Weihrauch (Boswellia serrata) in Tabletten- oder Kapselform.

Was ist Weihrauchextrakt?

Bei den verschiedenen Weihrauch-Arten handelt es sich meist um kleine, gedrungene Bäume mit zum Teil buschähnlicher Wuchsform. Der afrikanische Weihrauch (Boswellia carterii) kommt aus Südarabien oder Afrika, der indische Weihrauch (Boswellia serrata) stammt vorwiegend aus Ostindien. Wird der Stamm des Baums verwundet, so tritt eine klebrige Flüssigkeit aus, die nach einigen Tagen zu festem Gummiharz trocknet. Dieses wird abgeschabt, gesammelt und als Trockenextrakt weiter verwendet.

Welche Inhaltsstoffe sind in Weihrauchextrakt enthalten?

Das Gummiharz zeichnet sich durch einen hohen Anteil an ätherischem Öl (bis zu 10 %) aus. Als Hauptwirkstoffe enthält es verschiedene Boswelliasäuren wie die Alpha- und Beta-Boswelliasäure, die möglicherweise die Entstehung von Entzündungsreaktionen im Körper hemmen können.

Auf was sollte ich bei der Verwendung von Weihrauch-Produkten achten?

Die in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzte Konzentration an Weihrauch-Extrakten darf keine arzneimittelähnliche (pharmakologische) Wirkung (ab ca. 800 mg/Tag) aufweisen, sonst sind die Produkte als nicht zugelassene Arzneimittel einzustufen.

Liegt aber die Konzentration unterhalb der pharmakologischen Wirksamkeit (400 - 500 mg/Tag), wurden sogar gesundheitsschädliche, entzündungsfördernde Eigenschaften beobachtet. Möglicherweise tritt bei Produkten mit niedriger Konzentration an Boswelliasäuren die Wirkung anderer Inhaltsstoffe des Weihrauchs in den Vordergrund, die entzündungsfördernd wirken können.

Hersteller und Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln müssen, wenn sie die Produkte verkaufen möchten, keine Belege für ihre Wirksamkeit erbringen. Für Weihrauch ist gesundheits- oder krankheitsbezogene Werbung nicht zugelassen. Anbieter umgehen diese gesetzliche Regelung, indem sie nur indirekt (z. B. mittels Buchtipp) auf angebliche gesundheitliche Wirkungen verweisen.

Verschiedene Studien dokumentieren Übelkeit, Magensäure-Reflux (Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre) und andere Störungen des Magen-Darm-Traktes als Nebenwirkungen bei der Einnahme von Weihrauch-Extrakt.

Gesetzliche Krankenkassen übernehmen in der Regel keine Kosten für die Einnahme von Nahrungsergänzungen mit Weihrauch.

Können Weihrauch-Produkte mit Schadstoffen belastet sein?

Vor allem ayurvedische Nahrungsergänzungsmittel können - zum Teil absichtlich aus traditioneller Herstellungspraxis heraus - Schwermetalle enthalten, speziell Anteile von giftigem Blei, Quecksilber und Arsen. Das belegen verschiedene Studien zu Nahrungsergänzungsmitteln. Auch die Deutsche Rheuma-Liga warnt vor einer möglichen Bleibelastung von indischen Weihrauch­produkten. Bei Kontrollen durch die amtliche Lebensmittelüberwachung fallen immer wieder übermäßig belastete Nahrungsergänzungsmittel aus dem asiatischen Raum auf.

  • Von der Einnahme von Weihrauch als Nahrungsergänzung ist abzuraten.
  • Möglicherweise werden Entzündungen sogar noch gefördert.
  • Unbedingt Rücksprache mit dem Arzt halten.
  • Generell sind über das Internet bezogene Produkte ausländischer Hersteller - zum Beispiel ayurvedische Nahrungsergänzungsmittel - häufig mit Schwermetallen wie Blei belastet.

 

Quellen:


Krebsinformationsdienst (2016): Weihrauch in der Krebstherapie - unbewiesen oder altbewährt?, Boswelliasäuren zur komplementären Behandlung, Stand: 26.01.2016 (abgerufen am 13.12.2016)

Cameron M, Chrubasik S (2014): Oral herbal therapies for treating osteoarthritis. Boswellia serrata. (abgerufen am 13.12.2016)

Heißmann N: Nahrungsergänzungsmittel (2014): Weihrauch gegen Entzündungen - sinnvoll oder nur teuer?, Stand: 25.01.2014 (abgerufen am 13.12.2016)

Stichtenoth DO, Deutsche Rheuma-Liga (2015): Phytotherapeutika - Nutzen und Risiken., Stand: 23.01.2015 (abgerufen am 13.12.2016)

 

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