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Eisen, Zink, Vitamine - brauchen Sie Nahrungsergänzung in der Stillzeit?

Stand:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Stillende Frauen haben einen erhöhten Bedarf an Energie (Kalorien) sowie an einigen Mineralstoffen und Vitaminen.
  • Durch abwechslungsreiches und regelmäßiges Essen kann dieser zusätzliche Bedarf in der Regel über die Nahrung gedeckt werden - bei gezielter Lebensmittelauswahl auch mit einer vegetarischen Ernährungsweise, die Milch/-produkte und Eier enthält.
  • Bei einigen Nährstoffen (z.B. Jod, Omega-3-Fettsäuren) wirkt sich die Ernährungsweise der Stillenden auf den Nährstoffgehalt der Muttermilch aus.
  • Zur sicheren Deckung des gesteigerten Jodbedarfs wird Stillenden empfohlen, täglich 100 µg Jod in Form eines Nahrungsergänzungsmittels einzunehmen.
  • Die generelle Einnahme von anderen Nahrungsergänzungen wird nicht empfohlen.
  • Die meisten im Handel erhältlichen Nahrungsergänzungsmittel oder Spezial-Lebensmittel für Stillende enthalten über Jod hinaus noch weitere, teils unnötige oder deutlich zu hoch dosierte Nährstoffe.
Stillende Frau Mutter
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Wie verändert sich der Nährstoffbedarf in der Stillzeit?

In der Stillzeit steigt durch die Milchbildung der Energiebedarf um schätzungsweise 500 kcal/Tag; das ist mehr als in der Schwangerschaft. Werden die zusätzlichen Lebensmittel abwechslungsreich ausgesucht (z.B. ein Mehr an Fisch, Gemüse, Obst, hochwertigen Pflanzenölen und Vollkornprodukten), lässt sich damit auch zugleich der gestiegene Bedarf an Mineralstoffen (z.B. Zink und Magnesium) und Vitaminen (z.B. B6, Vitamin E) decken. Auch eine sogenannte ovo-lakto-vegetarische Ernährungsweise, also eine pflanzliche Ernährung plus Milch/-produkten und Eiern, ist bei sorgfältiger Auswahl geeignet, den erhöhten Nährstoff- und Energiebedarf in der Stillzeit zu decken. Eine ausschließlich vegane Ernährung in der Stillzeit wird nicht empfohlen. Möchten Sie sich trotzdem vegan ernähren, sollten Sie sich ärztlich beraten lassen. Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln (u.a. Jod, Vitamin B12) ist dann unbedingt notwendig.

Welche Produkte empfiehlt die Werbung, was ist sinnvoll?

Mit Werbesprüchen wie "speziell auf Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit abgestimmte Nährstoffe" und "liefert von Anfang an wichtige Nährstoffe für die Entwicklung des Kindes - unterstützt das Wohlbefinden der Mutter" werden Produkte beworben, die für Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit gleichermaßen passen sollen. Dabei unterscheiden sich die Nährstoffbedürfnisse des Körpers in diesen Phasen sehr. Die meisten Präparate enthalten einen "Rundumschlag" an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen, obwohl stillenden Frauen lediglich empfohlen wird, 100 µg Jod/Tag zusätzlich einzunehmen. Alle anderen Nährstoffe können auch in der Stillzeit über eine ausgewogene Ernährung aufgenommen werden. Besonders bedenklich: Spurenelemente wie Selen und Zink sind in den Präparaten zum Teil in Dosierungen enthalten, die um ein Vielfaches über den Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung liegen. Viele Produkte enthalten auch Eisen, das jedoch nur bei Vorliegen eines diagnostizierten Eisenmangels ergänzt werden sollte.

Darüber hinaus fallen die Angebote der Hersteller auch noch durch sehr hohe Preise auf: Häufig fallen Kosten von mehr als 1 Euro pro Tag für größtenteils überflüssige Produkte an.

Wie kann ich den erhöhten Jodbedarf decken?

Der Jodgehalt der Muttermilch ist abhängig von der Jod-Versorgung der Mutter über die Nahrung. Wichtige Quellen für die Jodversorgung sind Meeresfische, jodiertes Speisesalz sowie damit hergestellte Lebensmittel (wie z.B. Brot) und Milch- und Milchprodukte. Obwohl sich die Jodversorgung in den letzten Jahren verbessert hat, wird stillenden Frauen empfohlen, zusätzlich 100 µg/Tag in Form eines Nahrungsergänzungsmittels einzunehmen. Getrocknete Algen- und Tangpräparate, die ebenfalls Jod enthalten, sind aufgrund von schwankenden und teilweise sehr hohen Jodmengen nicht empfehlenswert. Frauen mit Schilddrüsenerkrankungen sollten sich hinsichtlich der Jod-Supplementierung ärztlich beraten lassen.

Wie kann ich den erhöhten Bedarf an Omega-3-Fettsäuren (DHA) decken?

Die mehrfach ungesättigten sogenannten Omega-3-Fettsäuren müssen mit der Nahrung aufgenommen und über die Muttermilch an den Säugling weitergegeben werden. Gute Quellen für die pflanzliche Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure sind beispielsweise Raps,- Walnuss- und Sojaöl. Doch zusätzlich benötigt der Organismus auch Omega-3- Fettsäuren aus tierischen Lebensmitteln wie z.B. die Docosahexaensäure (DHA). Sie ist Bestandteil des Nervengewebes und der Netzhaut des Auges und daher im Säuglingsalter wichtig für die normale Entwicklung der Sehkraft und der Denkfähigkeit. Mit zwei Seefischmahlzeiten pro Woche – darunter auch mindestens ein Mal fetten Fisch wie Hering, Makrele oder Lachs – kann in der Stillzeit der Bedarf an DHA gedeckt werden. Stillende Frauen, die nicht regelmäßig Fisch essen, können DHA über Nahrungsergänzungsmittel (200 mg/Tag) aufnehmen.

 

Quellen:


BfR (2004) Verwendung von Mineralstoffen in Lebensmitteln - Toxikologische und ernährungsphysiologische Aspekte

BfR (2004) Verwendung von Vitaminen in Lebensmitteln - Toxikologische und ernährungsphysiologische Aspekte

DGE: Referenzwerte für Fett

Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie (2016): Ernährung und Bewegung von Säuglingen und stillenden Frauen, Monatsschrift für Kinderheilkunde 2016 [Suppl 5]: 164: S433-S457

 

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