Nahrungsergänzungsmittel endlich regulieren

Stand:

Die Bundesregierung nicht aus der Verantwortung nehmen.

  • Antrag der Koalitionsfraktionen trägt nicht dazu bei, Verbraucher ausreichend vor unsicheren und unwirksamen Produkten zu schützen
  • vzbv und Verbraucherzentralen fordern nationale Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe und eine Positivliste für andere Stoffe als Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln
  • Wirksamere Kontrollen des Internethandels dringend notwendig
Bundestagswahl 2021
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Der Antrag der Koalitionsfraktionen, der am 20.05.2021 im Bundestag beschlossen wurde, schützt Verbraucher:innen nicht ausreichend vor potenziell gesundheitsgefährdenden und unwirksamen Nahrungsergänzungsmitteln. Statt die Verantwortung weiter auf EU-Ebene zu schieben, muss die Bundesregierung endlich tätig werden.

Die Mitglieder des Bundestags haben die Möglichkeit verpasst, eine massive Verbraucherschutzlücke zu schließen. Das lukrative Geschäft mit den Nahrungsergänzungsmitteln muss endlich reguliert werden.

Superfood fürs Immunsystem, Vitamin D gegen Coronaviren, Mineralstoffe für Schönheit von innen - glaubt man Werbeaussagen, können Nahrungsergänzungsmittel wahre Wunder bewirken. Doch oft ist die versprochene Wirkung vieler Produkte nicht nachgewiesen. Hoch dosiert können sie ernste Nebenwirkungen haben.

Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe nicht weiter verschleppen

Gesetzliche Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe stehen auch fast 20 Jahre nach Einführung der EU-Richtlinie über Nahrungsergänzungsmittel weiterhin aus. Deshalb sind andere europäische Länder, wie Frankreich, Dänemark und Italien bereits tätig geworden und haben nationale Regeln erlassen. Denn hoch dosiert können Nahrungsergänzungsmittel vielfältige, teils schwere Gesundheitsschäden haben. Deutschland sollte hier kein Schlusslicht sein.

Positivliste für andere Stoffe als Vitamine und Mineralstoffe

Jedes Jahr kommen zahlreiche neue Stoffe auf den Markt, wie Pflanzenextrakte, die Nahrungsergänzungsmitteln zugesetzt werden. Ihre Wirksamkeit ist oftmals nicht belegt. Für sie gibt es keine Qualitätsstandards. Verbraucher geben hier nicht nur Geld für leere Versprechen aus. Manche Produkte können auch ernsthafte Neben- und Wechselwirkungen verursachen.

Unternehmen sollten bereits vor Markteintritt nachweisen müssen, dass ihre Produkte wirksam und unbedenklich sind. Produkte, die nicht sicher sind und deren Wirkung nicht belegt ist, dürfen gar nicht erst auf den Markt gebracht werden. Der vzbv fordert daher eine Positivliste für diese "sonstigen Stoffe". Die Verbots- bzw. Prüfliste der Anreicherungsverordnung halten vzbv und Verbraucherzentralen nicht für das richtige Instrument, um die bestehende Lücke zu schließen.

Effektive Kontrollen des Internethandels

Vor allem im Internet werden problematische, teils gesundheitsschädliche Produkte vertrieben. Das belegen die Untersuchungen der Verbraucherzentralen und der Lebensmittelüberwachung. Kommunale Behörden sind häufig bei der Überwachung neuartiger Betriebsformen überfordert. Ein abgestimmtes Vorgehen zur Überwachung von Onlineshops innerhalb der EU-Mitgliedstaaten fehlt. Der vzbv und die Verbraucherzentralen begrüßen daher die Forderung nach wirksameren Kontrollen in der EU.

Position der Verbraucherzentralen zu Nahrungsergänzungsmitteln: Nahrungsergänzungsmittel sicher regulieren

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