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Umweltgifte in natürlicher Nahrungsergänzung?

Stand:

Nahrungsergänzungsmittel können bei unsachgemäßer Herstellung gefährliche polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffen (PAK), Dioxine oder polychlorierte Biphenyle (PCB)  enthalten.

Das Wichtigste in Kürze:
Achtung, kann der Gesundheit schaden

  • Eine Belastung mit krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) ist vor allem von Nahrungsergänzungsmitteln mit Mikroalgen (getrocknete Spirulina und seltener Chlorella) bekannt.
  • Dioxine und PCB können bei Nahrungs­ergänzungsmitteln mit Tonerden (Mineralerden) ein Problem sein.
Chemische Untersuchungen im Labor
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Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in Nahrungsergänzungsmitteln

Immer wieder gibt es Meldungen von zu hohen, gesundheits­bedenklichen Mengen an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) in Nahrungs­ergänzungsmitteln. Betroffen sind neben (Kapseln mit) Pflanzenölen vor allem getrocknete Pflanzenprodukte wie Spirulina, Chlorella und Grüntee-Extrakt. Die hohen PAK-Gehalt ein pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln lassen sich auf eine schlechte Herstellungspraxis und vor allem unsachgemäße Trocknung der Zutaten zurückführen.

In den letzten Monaten gab es im Europäischen Schnellwarnsystem mehrfach Meldungen zu mit PAK belasteten Nahrungsergänzungsmitteln speziell solchen mit Ginkgo-, Grünem Kaffee- und Propolis-Pulver, vor allem bei Rohmaterialien aus China.

Bei tierischen Nahrungs­ergänzungsmitteln könnten polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) ein Problem bei Fischölkapseln sein. Ursache ist die Anreicherung in der Nahrungskette von der Alge bis hin zum Fisch. Hier wurde jedoch in den letzten Jahren regelmäßig kontrolliert, so dass in Omega-3-Produkten kaum noch PAK gefunden werden.

Auch ein Test von Öko-Test im Juni 2012 hat lediglich bei einem von 21 untersuchten Omega-3-Produkten PAK ermittelt.

Was kann ich selber tun?

  • Sie sollten insbesondere bei Spirulina- und Chlorella-Produkten sowie Tonerden kritisch sein und ggf. beim Hersteller nachfragen. Problematisch kann hier vor allem der Bezug aus dem Nicht-EU-Ausland sein, wobei der Ursprung der Rohstoffe insbesondere bei Internetanbietern oft nicht erkennbar ist.
  • Vorsicht bei Online-Angeboten ausländischer Anbieter!
  • Kaufen Sie eher Produkte gängiger Marken bzw. Handelsmarken und im stationären Handel (wie Supermarkt, Drogeriemarkt, Reformhaus, Apotheke). Hier gehören Eigenkontrollen der Rohstoffe und natürlich der Endprodukte zum Alltag. Das gilt vor allem für Bio-Produkte.

Was sind PAK und wie gefährlich sind sie?

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) entstehen bei der unvollständigen Verbrennung von organischem Material wie Holz, Kohle oder Öl.

Viele PAK haben krebserregende, erbgutverändernde und /oder fortpflanzungs­gefährdende Eigenschaften. Diese Stoffe bleiben sehr lange in der Umwelt und werden kaum abgebaut. Weil sie fettlöslich sind, reichern sie sich im Fettgewebe von Mensch und Tier an. Die wichtigsten PAK in Lebensmitteln sind das besonders krebserregende Benzo(a)pyren, Benz(a)anthracen, Benzo(b)fluoranthen und Chrysen.

In Lebensmitteln findet man PAK vor allem bei Gegrilltem und in geräucherten Produkten. Auch geröstete oder getrocknete Lebensmittel wie Kakao/Schokolade, Kaffee, Tee oder Gewürze sind mit PAK belastet, wenn diese Verarbeitungsschritte in den Erzeugerländern unter nicht optimalen Bedingungen durchgeführt werden.

In wirtschaftlich weniger entwickelten Ländern werden vor allem Holz, Kohle oder Stroh verfeuert, aber auch Abfälle. Werden diese Feuer verwendet, um Pflanzen wie Tees oder Kräuter zu trocknen, können über den Rauch PAK auf die Pflanzen und letztendlich auch in die Nahrungsergänzungsmittel gelangen.

Deswegen gibt es seit 2015 PAK-Höchstwerte für Nahrungs­ergänzungsmittel mit pflanzlichen Stoffen sowie für Nahrungs­ergänzungsmittel mit Kittharz, Gelée Royale und Spirulina (VO (EU) 2015/1933).

Was ist mit Dioxinen und polychlorierte Biphenyle (PCB)?

Hoch giftige Dioxine und polychlorierte Biphenyle (PCB) können in Nahrungs­ergänzungsmitteln wie (grünen) Tonerden (Mineralerden) eine Rolle spielen. Dort gibt es sogenannte Auslösewerte (2013/711/EU und 2014/663/EU). Diese liegen unterhalb der Höchstgehalte und dienen als Frühwarnsystem, um Ursachen zu identifizieren, einzuschränken oder zu beseitigen, bevor es zu einer Überschreitung des Höchstgehaltes kommt. Auch hier sind die Anbieter in der Pflicht, die Werte regelmäßig zu kontrollieren.

Dioxine und PCB könnten auch in Ölen von Meerestieren (Fischölkapseln, Lebertran) enthalten sein. Vor allem fettreiche Fische wie Heringe und Lachse sind besonders in der östlichen Ostsee durch jahrelangen Eintrag über Abwässer zum Teil hoch mit Dioxinen belastet. Diese Schadstoffe können jedoch bei der Herstellung der Produkte durch technische Verfahren weitgehend entfernt werden. Seit mehr als 10 Jahren enthalten gängige Fischölkapseln gereinigte, standardisierte Konzentrate. In der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 sind die zulässigen Höchstwerte gesetzlich festgelegt.

Was kann ich selber tun?

  • Sie sollten insbesondere bei Spirulina- und Chlorella-Produkten sowie Tonerden kritisch sein und ggf. nachfragen. Problematisch kann hier vor allem der Bezug aus dem Nicht-EU-Ausland sein, wobei der Ursprung der Rohstoffe insbesondere bei Internetanbietern oft nicht erkennbar ist.
  • Vorsicht bei Online-Angeboten ausländischer Anbieter!
  • Kaufen Sie eher Produkte gängiger Marken bzw. Handelsmarken und im stationären Handel (wie Supermarkt, Drogeriemarkt, Reformhaus, Apotheke). Hier gehören Eigenkontrollen der Rohstoffe und natürlich der Endprodukte zum Alltag. Das gilt vor allem für Bio-Produkte.

 

Quellen:


Umweltbundesamt: Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe: Umweltschädlich! Giftig! Unvermeidbar? Aktualisierte Fassung, Januar 2016

LGL Bayern: Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in Lebensmitteln - Untersuchungsergebnisse 2009. Stand: 26.04.2012, abgerufen 15.08.2019

E. Klein: Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe in Lebensmitteln - Bilanz 2012. CVUA Sigmaringen, Stand: 28.05.2013, abgerufen 15.08.2019

LGL Bayern: Untersuchung von Pflanzenölen auf Kontamination mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, Weichmachern Pestiziden, Lösungsmitteln und Schwermetallen 2008, Stand: 31.01.2012, abgerufen 15.08.2019

LAVES: Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), kanzerogene Kontaminanten in Lebensmitteln. Abgerufen 15.08.2019

LGL Bayern: Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in Nahrungsergänzungsmitteln (Fischölkapseln) - Untersuchungsergebnisse 2009, Stand: 18.04.2012, ( abgerufen 15.08.2019)

Öko-Test (2012): Test Blutfettsenker - Fett verzichtbar. Ökotest (7), (abgerufen am 07.08.18)

Verordnung (EU) 2015/1933 der Kommission vom 27. Oktober 2015 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 hinsichtlich der Höchstgehalte an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen in Kakaofasern, Bananenchips, Nahrungsergänzungsmitteln, getrockneten Kräutern und getrockneten Gewürzen.

Auswertung des Schnellwarnsystems RASFF vom 01.08.2018-15.08.2019

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