Corona: Endlich Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe?

Stand:

Es ist eine langjährige Forderung der Verbraucherzentralen: Einheitliche europäische Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln.
Auf die Dosis kommt es an

  • Vor fast 20 Jahren versprach die EU Verbrauchern gesetzlich festgelegte, einheitliche Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. Leider Fehlanzeige - weder in Deutschland noch in der EU gibt es sie bisher.
  • Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft ist jetzt einer langjährigen Forderung der Verbraucherzentralen gefolgt und will die EU-Kommission auffordern, einheitliche Höchstmengenregelungen für die EU zu erarbeiten.
  • Bis dahin wird mit der Arbeit an etwaigen nationalen Höchstmengen begonnen.
  • Darüber hinaus sind aber noch weitere Regelungen beispielsweise für Pflanzenstoffe erforderlich.
Kopf aus Glas mit Tabletten und Pillen
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Die Verbraucherzentralen begrüßen die Aufforderung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) an die EU-Kommission, Höchstgehalte für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln EU-weit einheitlich festzulegen. Damit kommt das Ministerium einer jahrelangen Forderung der Verbraucherzentralen nach.

Gerade jetzt, mit Blick auf die COVID-19-Erkrankung, werden derzeit Nahrungsergänzungsmittel mit sehr hohen Vitamin C- und vor allem Vitamin-D-Gehalten angeboten, die angeblich vor dem neuen Corona-Virus schützen sollen. Eine gefährliche Irreführung, gegen die die Verbraucherzentralen auch juristisch bereits vorgegangen sind. Es ist deshalb gerade jetzt wichtig, dass die Lebensmittelüberwachung in den Bundesländern auf Irreführung mit Nahrungsergänzungsmitteln ein besonderes Augenmerk legt und die Produkte vom Markt nimmt.

Aktuell gibt es in Europa in Bezug auf die Regulierung von Nahrungsergänzungsmitteln einen Flickenteppich. Viele Mitgliedstaaten haben eigene Empfehlungen oder gesetzliche Vorgaben erlassen, die sich erheblich voneinander unterscheiden. Mehr zu den bisher in Europa geltenden Regelungen finden Sie hier.

Für Deutschland gibt es bisher überhaupt keine Höchstmengen, lediglich unverbindliche Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung, an die sich aber nur wenige Hersteller halten. Das zeigen die Marktchecks der Verbraucherzentralen.

Bereits vor 20 Jahren wurden in der entsprechenden Richtlinie 2002/46/EG die Höchstmengen vorgesehen. Länger darf der gesundheitliche Verbraucherschutz nicht ignoriert werden: gut, wenn das BMEL bis zur Einigung auf europäische Werte endlich die Festlegung nationaler Höchstmengen in Angriff nimmt – ebenfalls eine langjährige Forderung der Verbraucherzentralen.

Allerdings sind darüber hinaus weitere Regelungen dringend nötig. Es gibt zahlreiche Stoffe in Nahrungsergänzungsmitteln, insbesondere pflanzliche Zutaten, für die es bisher weder Höchstmengen noch Qualitätsanforderungen oder Reinheitskriterien gibt. Für diese so genannten "sonstigen Stoffe" muss es eine Positivliste geben. Stoffe, die nicht in der Positivliste enthalten sind, sollten nicht mehr verwendet werden dürfen.

 

Quelle:


BMEL-Pressemitteilung Nr. 67 vom 20.04.20: Einheitlichkeit statt Flickenteppich: Höchstgehalte für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln europäisch festlegen.

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