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Orthomol Fertil plus

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Frage

Meine Partnerin und ich überlegen derzeit die Familienplanung und sind wir von einer Ärztin auf Orthomol Fertil plus aufmerksam gemacht geworden. Teilweise sind die Vitamine sehr hoch dosiert (z.B. Vitamin E und Zink). Sind die Dosierungen problematisch oder gesundheitsschädlich? Wie steht es um die eher "exotischen" Inhaltsstoffe wie L-Carnitin, Q10, Lutein oder Lycopin? Mich würde die Risikobewertung dieses Cocktails interessieren.

Antwort

Orthomol Fertil plus ist ein Nahrungsergänzungsmittel für den Mann. Es soll lediglich fehlende Nährstoffe im täglichen Speiseplan auffangen. Eine besondere Wirkung mit Blick auf die Familienplanung sollten Sie sich davon nicht versprechen. Aber natürlich hat eine insgesamt ausgewogene Ernährung Einfluss auf die Spermienqualität.

Sie sollten sich daher fragen, warum Ihnen die Ärztin das Produkt empfohlen hat. Kennt sie Ihre Essgewohnheiten oder hat sie bei Ihnen eine Blutuntersuchung hinsichtlich Ihres Mikronährstoffstatus vorgenommen? Mehr dazu hier.

Vorsicht Überdosierung

Seit unserer ersten Bewertung vor zwei Jahren hat sich die Dosierung einiger Inhaltsstoffe von Orthomol Fertil plus verbessert. Dennoch liegt die Tagesdosis für Vitamin E noch vierfach, Zink mehr als doppelt und Selen fast doppelt über den empfohlenen Höchstmengen des Bundesinstituts für Risikobewertung: Die Dosis macht das Gift. Bei Vitamin C, Vitamin B 6 und Kupfer wird die Obergrenze erreicht.

Wechselwirkungen mit Medikamenten möglich

Bei gleichzeitiger Einnahme mit Medikamenten kann es zu Wechselwirkungen kommen, die die Wirksamkeit der Arzneimittel beeinflussen: Wechselwirkungen mit Medikamenten.

So wird die Wirkung von Vitamin E durch gleichzeitige Einnahme von Eisenpräparaten vermindert. In Einzelfällen ist bei gleichzeitiger Einnahme von Blutgerinnungshemmern (Vitamin- K-Antagonisten, z.B. Marcumar) deren Wirksamkeit herabgesetzt. Sicherheitshalber sollte der Hausarzt immer über die Einnahme von Vitamin-E-Produkten, die mehr als 30 mg/Tag enthalten, informiert werden (Orthomol Fertil plus enthält 120 mg/Tag). Das gilt ganz besonders, wenn Erkrankungen vorliegen oder regelmäßig Medikamente eingenommen werden. Mehr zu Vitamin E.

Vorsicht bei der Einnahme von Vitamin D ist geboten, wenn Erkrankungen wie Nierenprobleme vorliegen oder gleichzeitig Entwässerungsmittel, Herzglycoside oder Atovarstatin (gegen Hypercholesterinämie) eingenommen werden. Mehr zu Vitamin D.

Zu hohe Einnahmen von Zink können negative Folgen haben. Das BfR empfiehlt bei Nahrungsergänzungsmitteln mit mehr als 3,5 mg/Tag (Orthomol Fertil plus enthält 15 mg/ Tag) einen Hinweis auf der Verpackung, dass auf die Einnahme weiterer zinkhaltiger Nahrungsergänzungsmittel verzichtet werden soll. Hohe Zinkmengen können die Aufnahme und Speicherung von Eisen, Kupfer und Chrom reduzieren, sowie die Wirkung von bestimmten Arzneimitteln wie Antibiotika herabsetzen. Das Immunsystem wird bei zu hoher Aufnahme ebenfalls beeinträchtigt. Mehr zu Zink.

Selen kann die Aufnahme cholesterinsenkender Medikamente, bei gleichzeitiger Aufnahme von Vitamin C, beta-Carotin und Vitamin E, stören. Überdosierungen mit selenhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln können zu neurologischen Störungen, Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Übelkeit und Durchfall führen. Mer zu Selen.

Vor der Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln ist es wichtig zunächst zu klären, ob bei Ihnen überhaupt ein Vitamin- oder Mineralstoffmangel besteht, der die Einnahme des Nahrungsergänzungsmittels erfordert. Dies sollten Sie ärztlich abklären lassen.

Zu den weiteren Inhaltsstoffen:

  • L- Carnitin: wird vom Körper ausreichend selbst gebildet. Eine längere Einnahme senkt die körpereigene Produktion. Nebenwirkungen sind möglich. Hohe Dosen führen zu Durchfall, über längere Zeit kann L-Carnitin Arterien und Herz schädigen, auch ist Körpergeruch nach Fisch möglich. Mehr zu L-Carnitin.
     
  • ß-Carotin: Nach weiterhin aktueller Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung aus 2018 ist die Versorgungslage mit zugesetztem Beta-Carotin aufgrund der Vielzahl angereicherter Lebensmittel derzeit so hoch, dass ein Zusatz von Betacarotin in Nahrungsergänzungsmitteln nicht mehr befürwortet werden kann. Damit kommen Nahrungsergänzungsmittel mit zugesetztem isolierten Betacarotin (egal ob natürlich oder synthetisch) für Sie nur dann in Frage, wenn Sie keine sonstigen mit Betacarotin (Pro-Vitamin A) angereicherten oder gefärbten Lebensmittel (vor allem Getränke, Süßwaren, Eiscreme, Milchprodukte, Frühstückscerealien) essen bzw. trinken. ß-Carotin kann problemlos über viele Obst- und Gemüsesorten aufgenommen werden.
     
  • Lutein: Besondere Vorsicht ist bei der Verwendung von Lutein-haltigen Kombiprodukten mit Beta-Carotin und anderen Vitaminen geboten. So kann es bei der Einnahme zu unerwünschten Wirkungen wie gelben Verfärbungen der Haut und Magen-Darm-Beschwerden (Schmerzen, Verstopfung, Blähungen) kommen. Zudem gibt es Hinweise, dass die Entstehung von Nierensteinen begünstigt und das Lungenkrebsrisiko, vor allem bei Rauchern, durch die Verwendung von Beta-Carotin / Lutein-Kombipräparaten erhöht wird. Es kann problemlos über die Nahrung zugeführt werden. Mehr zu Lutein.
     
  • Lykopin: die Datenlage zur Wirkung und Toxizität ist wie bei vielen anderen sekundären Pflanzenstoffen noch sehr dünn. Der von der EFSA festgelegt Grenzwert für die vertretbare tägliche Gesamtaufnahme von Lykopin beträgt 0,5 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Dieser Wert kann von bestimmten Bevölkerungsgruppen, die große Mengen Lebensmittel, die Lykopin enthalten, zu sich nehmen, möglicherweise überschritten werden. Eine gute natürliche Lycopinquelle sind vor allem (erhitzte) Tomaten. Mehr zu Lykopin.
     
  • Q10 (Coenzym Q10): wird vom menschlichen Organismus in ausreichendem Maße selbst hergestellt. Darüber hinaus wird es aber auch mit der Nahrung aufgenommen, z. B. durch Fleisch, Hülsenfrüchte oder Nüsse. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht halten wir es nicht für notwendig, Q10 zusätzlich über Nahrungsergänzungsmittel zuzuführen. Bei einer täglichen Aufnahmemenge von bis zu 30 mg sind laut BfR keine gesundheitlichen Nachteile zu befürchten. Die Dosierung in Orthomol Fertil plus liegt mit 15 mg also im unkritischen Bereich. Coenzym 10 ähnelt vom Aufbau her dem fettlöslichen Vitamin K und kann wie dieses die Blutgerinnung beeinflussen. Nehmen Sie also bereits Vitamin K ein, kann die Blutgerinnung verstärkt werden. Mehr zu Q10.

Bitte beachten Sie, dass die Antwort auf diese Verbraucheranfrage den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.

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