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Coenzym Q10-Produkte – ist ein Nutzen wirklich bewiesen?

Stand:

Ohne Coenzym Q10 würde nichts mehr funktionieren. Doch sind wir deshalb auf Kapseln angewiesen?

Das Wichtigste in Kürze:
Vorsicht, Wechselwirkungen möglich!

  • Coenzym Q10 wird in allen lebenden Körperzellen zur Energiegewinnung benötigt.
  • Es wird sowohl über viele Lebensmittel aufgenommen als auch im Körper selbst produziert.
  • Es gibt keine wissenschaftlichen Belege für gesundheitliche Vorteile von Q10-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln bei gesunden Menschen.
  • Achtung: Wechselwirkung mit Blutgerinnungshemmern (Vitamin K-Antagonisten). Überdosierungen können zu Durchfall, Übelkeit, Appetitverlust und Unwohlsein führen.
 
Coenzym Q10
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Was steckt hinter der Werbung zu Coenzym Q10?

Die Zahl der erhältlichen Produkte, die die Nahrung mit Coenzym Q10 ergänzen sollen, ist mittlerweile riesig. Der Stoff wird entweder einzeln oder in Kombination mit Vitaminen, Mineralstoffen und Pflanzenextrakten angeboten.

Ob und ab welchen Dosierungen Coenzym Q10 aus Nahrungsergänzungsmitteln bei Menschen nützlich ist, erscheint jedoch sehr unklar. Alle bisher von Herstellern eingereichten und von der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) geprüften Werbeaussagen sind als wissenschaftlich nicht belegt bewertet worden. Dazu gehören beispielsweise Behauptungen, die einen Nutzen von Q10 hinsichtlich der Energiegewinnung, des Blutdrucks, des Schutzes vor oxidativen Schäden, kognitiver Funktionen, des Cholesterinspiegels oder zur Leistungssteigerung versprechen. Sie tragen den Status "non-authorised", sind also nicht zulässig und als Werbeaussagen verboten. Es handelt sich sonst um Irreführung (§ 11, LFGB). Trotzdem findet man immer mal wieder Hersteller, die weiterhin einige dieser Gesundheitsversprechen verwenden. Da ist dann die Lebensmittelüberwachung gefragt. Im Jahr 2012 gab es einen Gerichtsbeschluss des Oberlandesgerichtes Hamm. Dort wurde Herstellern ausdrücklich verboten, ihre Q10-Produkte mit bestimmten Gesundheitsaussagen wie einer Stärkung der Herzfunktion zu bewerben.

Besonders Obacht sollte bei im Internet angepriesenen Mitteln gegeben werden. Gerade hier werden den Q10-Produkten häufig nicht bewiesene Wirkungen zugesprochen.

Worauf sollte ich bei der Verwendung von Coenzym Q10-Produkten achten?

Laut Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin bestehen bei einer Aufnahmemenge von 10-30 Milligramm täglich keine gesundheitlichen Bedenken. Produkte mit diesen Dosierungen werden in Deutschland seit 1992 angeboten. Seit 2014 darf hier im Rahmen einer Allgemeinverfügung auch ein Nahrungsergänzungsmittel mit einer höheren Dosierung (100 mg pro Tag) verkauft werden, wenn es einen Warnhinweis trägt, dass das Produkt nicht von Schwangeren, Stillenden, Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren verzehrt werden soll.

Vorsicht ist jedoch bei höheren Dosierungen (> 100 mg täglich) des Coenzyms geboten, die sich häufig in über das Internet vertriebenen Produkten finden. Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit, Appetitverlust und Unwohlsein, Reizbarkeit und Hautausschlag sind hier nicht auszuschließen.

Achtung Wechselwirkung!
Wer Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung (Antikoagulantien) einnimmt, darf Q10 nur nach Rücksprache mit dem Arzt nehmen. Das Coenzym ähnelt strukturell dem fettlöslichen Vitamin K und könnte die Wirksamkeit der Medikamente herabsetzen.

Wofür braucht der Körper Coenzym Q10?

Hinter dem Vitaminoid "Coenzym Q10", auch genannt Q-10, Ubichinon-10 oder UQ, verbirgt sich ein fettlösliches Molekül, das in seiner Struktur dem Vitamin K und Vitamin E ähnelt. Q10 ist für gesunde Menschen nicht essentiell.

Q10 spielt eine große Rolle bei der Energiebereitstellung in den Körperzellen. Aus diesem Grund kommt es vor allem in Lunge, Leber und Herz vor, also den Organen, die viel Energie benötigen. Als Ubichinon (ubique = überall) wird Coenzym Q10 in allen lebenden Zellen benötigt und hergestellt. Weiterhin fängt es schädliche Sauerstoffverbindungen ab und ist somit wie Vitamin E als Antioxidans aktiv.

Zwar werden bei Personen mit Herzerkrankungen in der ärztlichen Therapie positive Effekte durch hochdosiertes Q10 erzielt, das lässt aber keinerlei Rückschlüsse auf eine Verwendung von Q10 zur Nahrungsergänzung zu. Ein Mangel an Coenzym Q10 ist sehr selten, in der Allgemeinbevölkerung sind keine Mangelsymptome bekannt. Eine Leistungssteigerung oder eine Stärkung der Abwehrkräfte durch den zusätzlichen Verzehr von Q10 wurde bereits 2001 vom damaligen Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin und erneut von der EFSA verneint.

Bekannt ist jedoch, dass mit zunehmendem Alter die Q10-Konzentration in verschiedenen Geweben deutlich abnimmt. Davon ist vor allem das Herz betroffen. 80-Jährige haben im Vergleich zu 20-Jährigen nur noch etwa 60 Prozent des Q10-Gehaltes im Herzen. Inwieweit es sich dabei aber um Auswirkungen des normalen Altersprozesses handelt und diese dadurch aufgehalten werden können oder ob durch eine zusätzliche, kontrollierte Gabe von Q10 im Alter weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorkommen wird noch diskutiert. Das erklärt aber die häufige Werbung für Q10-Produkte als Anti-Aging-Mittel, "Jungbrunnen" oder "Energie-Vitamin" und den häufigen Verkauf auf sogenannten "Kaffeefahrten".

Bestimmte Medikamente, z.B. cholesterinsenkende Statine, hemmen die körpereigene Q10-Bildung. Dadurch kommt es zu einer Abnahme der Q10-Konzentration in den Zellen. Einige Studien zeigten eine eindeutige Abnahme um bis zu 50 Prozent von Q10 unter einer Statin-Therapie. Inwieweit die Verwendung eines Q10-Produkts bei einer solchen Therapie sinnvoll ist, muss der Arzt entscheiden. Gleiches gilt für Personen mit einer Phenylketonurie.

Langzeitstudien zur alleinigen Einnahme von Coenzym Q10 – vor allem bei verschiedenen Altersgruppen – existieren praktisch nicht, sodass mögliche chronische Auswirkungen nicht eingeschätzt werden können. Es gibt aber eine Studie über 4 Jahre, in der der Einsatz von Q10 (200 mg pro Tag) in Kombination mit Selen bei älteren Menschen mit anfangs niedrigen Q10-Werten untersucht wurde.

Kann ich meinen Tagesbedarf über die Nahrung decken?

Es gibt verschiedene Wege, über die Coenzym Q10 für den menschlichen Organismus bereitgestellt wird. Als fettlöslicher Stoff ist es vor allem in fetthaltigen Lebensmitteln zu finden. Tierische Lebensmittel enthalten hohe Mengen Q10, vor allem Fleisch, Fisch, Geflügel, Leber, Ei und Butter. In pflanzlichen Lebensmitteln sind geringere Mengen zu finden, mit Ausnahme von Speiseölen wie Soja-, Raps- und Sesamöl sowie Hülsenfrüchten, Soja und Nüssen. Mit der Nahrung werden zwischen 5 und 10 Milligramm Coenzym Q10 aufgenommen

Der Körper ist aber auch in der Lage, das Vitaminoid aus den Aminosäuren Phenylalanin und Tyrosin sowie aus der in Pflanzen vorkommenden "Mevalonsäure" selber zu bilden. Weiterhin ist es Darmbakterien möglich, den Stoff zu erzeugen, welcher anschließend in die Blutbahn aufgenommen wird. Somit wäre eine Aufnahme von Q10 über die Nahrung nicht notwendig, eine zusätzliche Nahrungsergänzung ist für Gesunde dementsprechend überflüssig.

 

Quellen:


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Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin(2001): Ernährungsmedizinische Beurteilung von Werbeaussagen zu Coenzym Q10, abgerufen am: 23.08.2018

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