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Sind Gemüse- und Obstextrakte wirklich so gesund?

Stand:

Obst- und Gemüse-Extrakte sollen helfen, die angebliche Versorgungslücke zu schließen. Empfehlenswert?

Das Wichtigste in Kürze:
Vorsicht, Wechselwirkungen möglich!

  • Nahrungsergänzungsmittel mit Obst- und Gemüseextrakten enthalten nur einen Teil der Inhaltsstoffe der ursprünglichen Lebensmittel. Sie können Gemüse und Obst auf dem Speiseplan nicht ersetzen.
  • Vitamine und Mineralstoffe sind in der Regel zugesetzt und stammen nur selten aus natürlichen Quellen. Häufig fehlen Angaben zur Menge und Art der Pflanzenstoffe.
  • Werbeaussagen, die sich auf die Vorbeugung, Heilung oder Linderung von Krankheiten beziehen, sind für Gemüse- und Obstextrakte verboten.
  • Bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme oder chronischer Erkrankung vorher den Arzt fragen.
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Was steckt hinter der Werbung zu Gemüse- und Obstextrakten?

Die Produktwerbung suggeriert häufig, dass selbst Menschen, die regelmäßig Gemüse und Obst essen, nicht ausreichend mit Vitaminen oder Mineralstoffen versorgt seien. Dabei wird gerne auf ausgelaugte Böden und geringere Nährstoffgehalte "als früher" verwiesen. Argumente wie "unsere modernen Lebensgewohnheiten" müssen dafür herhalten, dass es "unmöglich" sei, sich ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen. Doch diese Behauptungen sind nicht nur falsch sondern auch verboten und dienen ausschließlich dazu, das Produkt besser zu verkaufen.

Auch die Mengen an Obst und Gemüse, die angeblich täglich gegessen werden sollen, sind oft maßlos übertrieben. Teilweise werden 12 Portionen oder bis zu 2,5 kg Gemüse und Obst täglich genannt. Tatsächlich empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) fünf Handvoll Gemüse und Obst pro Tag (etwa 650 gr/Tag für einen Erwachsenen).

In zahlreichen wissenschaftlichen Studien konnte beobachtet werden, dass der Verzehr von Gemüse und Obst mit einem verringerten Risiko für Bluthochdruck, Schlaganfall, Herzkrankheit, Adipositas und bestimmten Krebskrankheiten einhergeht. Hierbei wirken weniger einzelne Inhaltsstoffe, sondern vielmehr die Vielfalt wertvoller Substanzen in Obst und Gemüse. Obst- und Gemüseextrakte beinhalten aber nicht alles, was auch in frischem Gemüse und Obst enthalten ist. Eine Übertragung der beobachteten Wirkung von Obst und Gemüse auf Nährungsergänzungsmittel ist somit nicht möglich. Werbeaussagen zu Gesundheitswirkungen wie "gut für das Immunsystem" beziehen sich lediglich auf einzelne, meist zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe. Für das ganze Produkt sind gesundheits- oder gar krankheitsbezogene Werbeaussagen nicht bewiesen und zugelassen.

Häufig liest man auch Angaben zum so genannten ORAC-Wert (ORAC steht für "Oxygen Radical Absorbance Capacity"). Dieser soll die antioxidative Wirkung des Produktes belegen. Es handelt sich hierbei jedoch um reine Laborwerte. Die Aussagekraft solcher Werte für eine Gesundheitswirkung beim Menschen ist daher sehr eingeschränkt. Eine solche Werbung ist irreführend und damit nicht zulässig.

Auf was sollte ich bei der Verwendung von Gemüse- und Obstextrakten achten?

Gemüse- und Obstextrakte können Zusatzstoffe oder Aromen enthalten. Die Zutatenliste auf dem Produkt liefert hierzu die Informationen. Außerdem zeigt die Zutatenliste, ob die beworbenen Vitamine und Mineralstoffe zugesetzt wurden - in diesem Fall wären sie gesondert aufgeführt - oder aus den verwendeten Früchten stammen.

Häufig werden sehr viele verschiedene, oft auch exotische Pflanzenextrakte verwendet. Das birgt ein hohes Allergierisiko.

Des Weiteren können Wechselwirkungen mit Medikamenten auftreten. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte vorher mit dem Arzt oder Apotheker besprechen, was bei einer zusätzlichen Verwendung von Obst- und Gemüseextrakten zu berücksichtigen ist und ob vielleicht auf einen zeitlichen Abstand bei der Einnahme geachtet werden muss.

Was sind Gemüse- und Obstextrakte?

Nahrungsergänzungsmittel mit "dem Besten aus Gemüse und Obst" enthalten meist eine bunte Mischung aus unterschiedlichen Frucht- und Gemüsesaftkonzentraten bzw. -extrakten. Häufig vertreten sind Konzentrate aus Karotten, Rote Bete, Spinat, Tomaten, Apfel, Orangen. Aber auch exotische Produkte, wie zum Beispiel Algen-, Papaya- oder Acerola-Pulver finden Einsatz.

Durch verschiedene Verfahrensschritte wird dem Obst oder Gemüse das Wasser entzogen und einige Inhaltsstoffe aufkonzentriert, sowie andere Stoffe entfernt. Die Zusammensetzung des Nahrungsergänzungsmittels unterscheidet sich somit deutlich von natürlichem Obst und Gemüse. Vor allem die Ballaststoffe fehlen meist. Daher sind Aussagen wie das Produkt sei "Obst- und Gemüsesaft in getrockneter Form" und enthalte alles, was in vollreifem Obst und Gemüse enthalten sei, falsch.

Welche Inhaltsstoffe sind in Gemüse- und Obstextrakten enthalten?

In der Regel gibt es keine Angaben darüber, welche Pflanzenstoffe das Produkt in welchen Mengen enthält.

Oft enthalten die Produkte Vitamine und Mineralstoffe, die nicht aus dem verwendeten Obst und Gemüse allein stammen, sondern zugesetzt sind. Diese zugesetzten Stoffe sind in der Zutatenliste aufgeführt.

Können Gemüse- und Obstextrakte mit Schadstoffen belastet sein?

Belastungen der verwendeten Rohware mit Pestiziden oder Schimmelpilz­toxinen können sich auch in den Extrakten wiederfinden. Europäisches Gemüse und Obst ist in der Regel geringer belastet als solches aus anderen Teilen der Welt. Manche Hersteller geben an, nur Rohware aus eigenem bzw. Vertragsanbau zu nutzen - das ist aber keine Qualitätsaussage. Gleiches gilt für die Angabe "aus Wildwuchs". Bei Bioprodukten gibt es strenge Anbauregeln und die Verwendung von Pestiziden ist in der Regel ausgeschlossen.

Frisches Obst und Gemüse in roher und gekochter Form liefern nicht nur wertvolle Inhaltsstoffe, sondern schmecken noch und machen satt.
Da verschiedene Obst- und Gemüsesorten unterschiedliche Vitamine, Mineralstoffe und Pflanzenstoffe liefern, sollte die ganze Vielfalt des Angebots genutzt werden. Wir empfehlen Gemüse und Obst entsprechend der Saison und möglichst aus regionalem Anbau zu kaufen. Die Kosten sind nicht höher als für Gemüse- und Obstextrakte.

 

Quellen:


DGE: Gemüse- und Obstprodukte als Nahrungsergänzungsmittel

Stellungnahme des Arbeitskreises Lebensmittelchemischer sachverständiger der Länder und des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Stellungnahme Nr. 2011/55: Angabe von ORAC-Werten (2011)

Smollich M, Podlogar J.: Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln und Lebensmitteln, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart. 1. Auflage, 2016

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