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Power durch Pillen? Kein Sportersatz für Jugendliche!

Stand:

Ohne Pillen und Pulver ist Sport für viele Jugendliche undenkbar. Doch die Risiken überwiegen meist.

Das Wichtigste in Kürze:
Achtung, kann der Gesundheit schaden!

  • Die versprochenen Wirkungen sind oft übertrieben.
  • Aus dem Kauf erlaubter Produkte wird häufig der Griff zu unerlaubten Mitteln.
  • Produkte aus dem Internet enthalten oft verbotene Substanzen.
Keine Kraft durch Pillen und Pulver
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Was steckt hinter der Werbung zu Power-Pillen und -Pulvern?

Die Werbung erweckt den Eindruck, dass Sport ohne die zusätzliche Einnahme von Power-Pillen und -Pulvern nicht mehr zu dem erhofften Ergebnis führt. Sportler erhoffen sich von diesen Mittelchen eine Verbesserung der Trainingsleistung, schnellere Regeneration oder Unterstützung beim Muskelaufbau.

Viele Jugendliche und junge Erwachsene verlassen sich nicht auf ihre individuelle Leistungsfähigkeit und ihr persönliches Körperbewusstsein, sondern nehmen zusätzlich Pillen und Pulver, um in punkto Aussehen und Muskelkraft mit Anderen mithalten zu können.

Die Werbung suggeriert jungen Freizeitsportlern einen übersteigerten Nährstoffbedarf, den sie nur mit Fitness-Pillen stillen können. Sportler essen durch ihren erhöhten Energieverbrauch meist mehr als Nichtsportler und decken damit auch den Bedarf an Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen problemlos. Dennoch wird ihnen ein erhöhter Bedarf an diesen Nährstoffen eingeredet.

Ein regelmäßiger Konsum dieser Power-Pillen und -Pulver verschafft jugendlichen Freizeitsportlern zudem die Illusion, besonders fit zu sein, auch wenn sie kaum Sport treiben. Er senkt außerdem die Hemmschwelle, auch irgendwann zu unerlaubten Mitteln zu greifen. Manche Kraftsport-Biografien starten deshalb  mit dem Griff zu Nahrungsergänzungsmitteln über Medikamente und enden bei Dopingmitteln - die gesundheitlichen Folgen sind nicht absehbar.

Auf was sollte ich bei der Verwendung von Power-Pillen und - Pulvern achten?

Solange diese Produkte eine Ergänzung von Nährstoffen versprechen, die zu wenig mit der Nahrung aufgenommen werden, bestehen die Risiken nur in einer eventuellen Überversorgung. Aufmerksam sollten Sie werden, wenn gleichzeitig ein intensiver Muskelaufbau, eine konstante Ausdauerleistung oder eine starke Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit versprochen wird. In diesem Fall besteht das Risiko, dass zusätzlich, für Sie als Käufer nicht erkennbar, illegale und hochgradig gesundheitsschädliche Substanzen enthalten sein können.

Spezielle Sportler-Produkte wie Kreatin, Eiweiß-Shakes, Mineralstoff- und Kohlenhydratkonzentrate können im (Hoch-)Leistungssport von Bedeutung sein, sind aber für Breiten- und Freizeitsportler unnötig. L-Carnitin, CLA-Fettsäuren, Glucosamin und anderes sind nicht nur wirkungslos und überflüssig, sondern oft auch überteuert. Von hochdosierten Präparaten ist aufgrund möglicher Nebenwirkungen besonders abzuraten.

Der schnelle und einfache Bezug von Fitness-Präparaten übers Internet ist oft verlockend. Die Auswahl ist riesig und die Preise sind häufig unschlagbar günstig. Aber seien Sie vorsichtig: Die Inhaltsstoffe solcher Nahrungsergänzungen unterliegen aber oftmals keiner Kontrolle - besonders, wenn die Produkte aus dem nichteuropäischen Ausland kommen.

Power-Pulver und -Pillen für Sportler könnten sich für Sie bei genauer Analyse als Drogen- und Dopingpräparate entpuppen. Wer von zusätzlichen Kraftspendern jedoch nicht lassen kann, sollte die Präparate nicht blindlings im Internet bestellen, sondern nur vertrauenswürdige Produkte und Bezugsquellen nutzen. Der Olympiastützpunkt Rheinland präsentiert im Internet eine Liste, die auf verbotene Stoffe getestete Nahrungsergänzungsmittel enthält. Die Prüfung sagt aber nichts darüber aus, ob die Produkte sinnvoll oder nützlich sind.

Infos zum Thema für Jugendliche gibt es im Online-Jugendmagazin der Verbraucherzentrale NRW unter www.checked4you.de/nem. Anregungen zum Nachdenken und für Diskussionen über Risiken und Nebenwirkungen von Leistungssteigerern aus dem Internet bietet der Kurzfilm Pillen, Power, Pustekuchen! der Verbraucherzentrale NRW.

Regelmäßiges Training und ausgewogenes Essen und Trinken führen zum Erfolg. Mittel, die einen schnellen Muskelaufbau versprechen, enthalten meist verbotene Substanzen. Nutzen Sie nur vertrauenswürdige Produkte und Bezugsquellen.

Welche Produkte werden beworben?

Muskelaufbau und -kraft sollen mit Hilfe von Eiweiß- und Aminosäure­präparaten unterstützt werden. Versprochen werden "Bodyforming", "für das Muskelbindegewebe" oder der "Aminosäureschub zur Regeneration nach dem Training". Durch Aussagen wie "Professional Protein" oder "Strong Amino - hochwertiges Hydrolysat" soll der Eindruck vermittelt werden, es handele sich um besonders hochwertiges und effektives Eiweiß.

Für die konstante Ausdauerleistung sollen Kohlenhydrat­konzentrate sorgen. Hier werden z. B. "Power" und "Faster Energy" versprochen. Die allgemeine Fitness und Muskeltätigkeit soll, laut Werbung, mit Magnesium-, Vitamin- und Calcium-Präparate sichergestellt werden. Im Angebot sind ebenfalls Pulver als Mahlzeitenersatz "zur schnellen Regeneration nach der Belastung".

Die meisten Präparate werden in Tabletten, Pillen oder Pulverform angeboten. Es gibt aber auch Trinkampullen, Riegel und Gele. Während Vitamine und Mineralstoffe häufig als Pillen verkauft werden, wird die Pulverform oft für Eiweiß bzw. Aminosäuren gewählt.

Riegel und Gele werden zum Teil als Lebensmittel des üblichen Verzehrs angeboten, zum Teil als Nahrungsergänzungsmittel, wie ein Marktcheck der Verbraucherzentralen im Jahr 2014 gezeigt hat. Für Nahrungsergänzungs­mittel gelten besondere Kennzeichnungsvorschriften, aber eine besondere Wirkung muss nicht nachgewiesen werden.

Auch konzentrierte Kohlenhydrate, angereichert mit Vitaminen und Mineralstoffen, sind auf dem Markt. Dabei werden Gele meist als Nahrungsergänzungsmittel vermarktet und Riegel als Lebensmittel des üblichen Verzehrs. Wichtig ist bei Kohlenhydratgelen der Hinweis, dass sie nur mit viel Flüssigkeit verzehrt werden sollten.

Welche Inhaltsstoffe sind in diesen Produkten meist enthalten?

Eiweißpräparate bestehen meist aus Mischungen verschiedener Eiweißlieferanten, wie Milch, Molke oder Soja.

Konzentrierte Kohlenhydrate als Energielieferanten enthalten meist diversen Zuckerarten wie Dextrose, Glukose- oder Fruktosesirup, Fruchtkonzentraten und bei Riegeln aus Getreide, wie Weizen oder Reis.

Substanzen wie Koffein, Kreatin, L-Carnitin, spezielle Fettsäuren, Aminosäuren, Eisen oder Vitamine wie Vitamin D können einzeln oder Mischungen enthalten sein. Illegale Substanzen können gerade in Präparaten, die über das Internet bestellt werden, vorkommen. In den letzten Jahren sind z. B. Produkte aufgefallen, die die verbotene Substanz DMAA oder DMBA enthalten haben.

 

Quellen:


Marktcheck Sportlerlebensmittel, Gemeinschaftsaktion der Verbraucherzentralen "Mehr Ernährungskompetenz beim Sport", August 2014

WADA: List of prohibited substances and methods, 2017, S6 b specified stimulans (aufgerufen am 17.11.2016)

HEIMSPIELE GmbH & Co. KG: Die Kölner Liste®  (aufgerufen am 20.03.2018)

Swiss Sports Nutrition Society. Supplementguide

BVL. Nahrungsergänzungsmittel mit DMBA sind nicht verkehrsfähig. Pressemitteilung 05.02.2015.

 

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